Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
126 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. hegte, und seinem hiedurch bedingten Widerwillen gegen den Krieg, stand mit dem Thronwechsel ein vollständiger Umschwung der Dinge zu erwarten. Aber nicht nur auf das politische Gebiet blieb der Einfluss dieser drohenden Wendung beschränkt, er warf seine Schatten seit längerer Zeit schon auf das rein militärische Gebiet des Krieges voraus, indem sich in der Ausführung aller Befehle dos russischen Hofes, von Seite der Heerführer, die Rücksichtnahme auf die Gesinnungen des Thronfolgers bemerkbar machte, ganz abgesehen von dem Hochverrathe, zu dem ein russischer General seine Hand bot und dessen der Grossfürst selbst geziehen wird '). Sah sich Österreich sonach von dem Verluste seines wichtigsten Verbündeten bedroht, so trat bald die Eventualität einer Loslösung Frankreichs vom Bunde noch mehr in den Vordergrund. Des langen, erfolglosen Ringens müde und durch den Verlust des grössten Theiles seiner Colonien hart betroffen, rief das französische Volk immer dringender nach Frieden, auf dessen Herbeiführung die Regierung ernstlich Bedacht zu nehmen genöthigt war. Nicht minder wurde auch in Schweden der Wunsch nach Beendigung des Krieges laut, so dass also die Möglichkeit einer vollständigen Isolirung Österreichs nahe lag. Aus der hier in ihren Grundzügen gekennzeichneten Lage ergeben sich von selbst die Consequenzen, welche die Wiener Regierung zu ziehen hatte. Sie musste trachten, die vorläufig noch zugesicherte Hilfeleistung Russlands so viel und so rasch als möglich zu nützen, Frankreich aber, das durch seine Subvention zugleich bestimmenden Einfluss auf die Theilnahme Schwedens am Kriege hatte, durch kluge Schonung seiner Interessen und Wünsche so lange als möglich als Bundesgenosse zu erhalten. Als daher die französische Regierung im Herbste 1760 unter Hinweis auf die Erschöpfung der Kräfte des Königreiches, die Notli- wendigkeit darlegte, das Ende eines Krieges herbeizuführen, der dem Lande nur noch weitere Opfer auferlegen, aber keine Vortheile bringen könne, setzte man von Wien aus dem Ansinnen Frankreichs in der Sache keinen Widerstand entgegen, ja man trat selbst mit dem Projecte eines Friedens-Congresses hervor, dem bald alle Mächte der Coalition beistimmten und auf welches, in Folge der unter dem 26. März 1761 an sie gerichteten Declaration, auch die Gegner sofort eingingen. In dem bezüglichen Schriftstücke war Augsburg als Versammlungsort des Congresses in Aussicht genommen, wohin Preussen und England, laut ihrer schon am 3. April abgefertigten Gegen-Declaration, ihre Bevollmächtigten abzusenden versprachen. Die Eröffnung des <) Arnetli „Maria Theresia und der siebenjährige Krieg“, II. 235.