Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Wiener des Generstabs-Corps: Das Corps des FML. Friedrich Freiherrn von Hotze in Feldzuge 1799

befunden, und konnte man demzufolge in Vorarlberg und Bünden das Corps auf keine hinreichende Stärke setzen, so hätte doch die militärische Vorsicht erfordert, auf das obere Inn-Thal und das Vintschgau in Tirol besondere Rücksicht zu nehmen und hier die Truppen mehr zu concentriren, besonders da man ja gegen Wälsch- tirol durch eine beträchtliche Armee hinlänglich gedeckt war ttnd sich nur gegen das Veltlin, die Grafschaft Bormio, das Brescianische und das Bergamaskische hauptsächlich zu sichern hatte.“ „Durch Ausführung solcher militärischer Massregeln wäre eine Behauptung Bündens möglich gewesen, und falls der Feind dennoch die k. k. Truppen aus dem Rhein-Thale zurückgedrängt hätte, wäre der Verlust dieses Landes nicht so rasch erfolgt. Man hätte Zeit gewonnen, Unterstützung aus Tirol heranzuziehen, und die Wieder­eroberung Bündens wäre vom Engadin und vom Vorarlbergischen aus leichter bewirkt worden.“ „Es würde zu weit führen, wollte man jeden unglücklichen Schritt, jeden einzelnen Fehler des Grafen Bellegarde detailliren; genug, dass man die Folgen dieser Fehler im Zusammenhänge über­sieht, genug, dass Jedermann die Hauptursache dieser Folgen dem Mangel der in Gebirgsländern so nöthigen militärischen Vorsicht und dem Mangel an Localkenntniss zuschreiben muss. Der unmittelbare Beweis dafür liegt in der fortwährenden Umgehung und Gefangen­nahme der österreichischen Truppen.“ „Wenn dem Feldherrn, wie es beim Grafen Bellegarde der Fall gewesen, die Landesbeschaffenheit und sonstigen Verhältnisse bekannt sind, so sollte er doch im Stande sein, diesen Unglücksfällen vorzubeugen und eine nachhaltige Vertheidigung durchzuführen.“ Mayer gedenkt dann noch in beredten Worten der ausge­zeichneten, musterhaften Vertheidigung eines Gebirgslandes durch den Prinzen Rohan im Feldzuge 1638 in dem Veltlin und knüpft daran die Bemerkung: „Umsomehr fällt die unzweckmässige Aufstellung der Truppen des Grafen Bellegarde in die Augen, besonders da er die Feldzüge des Prinzen Rohan wiederholt gelesen hatte.“ Aber zwischen Theorie und Praxis, zwischen Wissen und Können liegt eben eine breite Kluft *). *) Zur Beurtheilung der Massnahmen und Unterlassungen des Grafen Belle­garde mag der nachfolgende Auszug aus einem Schreiben desselben an den FML. Hotze dienen, welcher ihm gegenüber die Vortheile eines allgemeinen Angriffes auf Graubünden hervorgehoben hatte; ddo. Botzen 13. März: „Da ich bis nun noch in allen zum Gebirgskriege erforderlichen Gegenständen, besonders an Packpferden und Lebensmitteln mangle, von welchen das Meiste in das Vorarlbergische vorgeschoben worden ist, und die bei Vermehrung des Corps in Tirol auch erforderliche Ver­mehrung der Anstalten und Verpflegs-Erfordernisse noch in fernerem Anzuge sind, wie zum Beispiel die hieher gehörigen Backöfen ......................ich der äussersten An strengung ungeachtet, kaum in Tirol die Truppe zu ernähren im Stande bin, bei einer Vorrückung in Graubünden aber umsomehr dem unausweichlichen Mangel Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 188t, 8

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