Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Wiener des Generstabs-Corps: Das Corps des FML. Friedrich Freiherrn von Hotze in Feldzuge 1799

*) Kriegs-Archiv 1799; Fase. III, 54. Massena gar keine Antwort abwartete, sondern mit der Absendung seines Parlamentärs auch schon die Feindseligkeiten eröffnete. Um sein Unternehmen, den Überfall Graubündens, thunlichst zu sichern, liess Massena am 6. März mit Tagesanbruch gleichzeitig von Urseren gegen Dissentis, dann bei Benderen, Balzers, Fläsch, bei der unteren Zollbrücke und über den Kunkels-Pass seine Truppen angriffs­weise Vorgehen, während Demonstrationen bei Meiningen und Rhein- abwärts die Österreicher festhalten sollten. Der feindliche Angriff schien bei Fläsch und bei der unteren Zollbrücke am stärksten zu sein; an letzterem Punkte rückten die Franzosen mit Übermacht und klingendem Spiele vor. Zweckmässigen Gegenanstalten des Generals Auffenberg, dann dem ausgezeichneten Verhalten der dort postirten kaiserlichen Artillerie und einer Anzahl Landesbewohner gegenüber, vermochten die Franzosen nicht zu reussiren. Auch im Vorder-Rheinthale wurden sie durch das muthige Vorgehen des daselbst befindlichen Detachement vom Infanterie-Regimente Brechainville, unterstützt durch das Landvolk, zurückgetrieben. Bei Benderen, Balzers und am Kunkels-Passe dagegen war man nicht im Stande, den Übergang des Feindes zu verhindern. Bei dem niederen Wasserstande des Rheins befand sich etwas oberhalb des Ortes Benderen eine Furt, durch welche die Cavallerie der feindlichen Avantgarde den Fluss passirte, indem sie Infanterie rückwärts auf die Pferde nahm. Die übrige Infanterie wurde mittelst Wagen übersetzt, die halbe Compagnie der Österreicher, welche bei Benderen auf Vorposten stand, vertrieben. Das Überraschende des Vorgehens der Franzosen, dann der Umstand, dass nur eine geringe Truppenzahl für den Gegenangriff verfügbar war, setzten den Angreifer in den Stand, in kurzer Zeit genügende Kräfte auf das rechte Ufer des Rheins zu bringen, um sowohl der Stellung von Feldkirch Front zu bieten, als auch sich flussaufwärts gegen Schan, Vaduz und Triesen hin auszubreiten. Die Franzosen standen am Abend des 6. März auf dem Schellenberge und hatten die Orte Benderen, Eschen, Mauern und Gamprin besetzt. FML. Hotze war auf die ersten Nachrichten in Person gegen Benderen geeilt, hatte am Wege alle Truppen, welche ihm unterkamen, zusammengerafft und zur Vorrückung beordert. Er vermochte jedoch nur für kurze Zeit den Feind im Vorgehen aufzuhalten. Unter solchen Umständen konnte er dem Ansuchen des Generals Auffenberg um Zusendung von zwei Bataillonen und einer Escadron als Verstärkung keine Folge geben l). Auch bei Balzers war dem Feinde der Übergang über den Fluss geglückt; die gänzliche Unkenntniss des Terrains seitens des Tags vorher dahin entsendeten Bataillons (1. Brooder) ermöglichte solchen *)

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