Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Bericht des k. k. General-Majors Graf Bubna, ddo. 11. October 1808 an den Generalissimus Erzherzog Carl über die Zusammenkunft mit dem königl. preussischen Obersten Graf Goetzen in der Ottendorfer Mühle
89 Bericht des k. k. General - Majors Graf Bukna, ddo. 11. October 1808, an den Generalissimus Erzherzog Carl über die Zusammenkunft mit dem königl. preussisclien Obersten Graf Goetzen in der Ottendorfer Miilile *). Der Gang der Ereignisse in den Jahren 1805 bis 1808 und die Kundgebungen, in welchen Frankreichs Politik zum Ausdrucke kam, deuteten mit Bestimmtheit darauf hin, dass Napoleon nach vollzogener Unterjochung Spaniens zunächst daran gehen wolle, auch Österreich unter sein System zu beugen. Preussen lag seit dem Tilsiter Frieden wehrlos darnieder. Napoleon benützte die damalige Constellation der Machtverhältnisse Europa’s, um die Ohnmacht dieses Staates zu vervollständigen und ihm die Möglichkeit zu benehmen, sich wieder aufzurichten. Alle seine Massnahmen in Bezug auf die preussische Monarchie Hessen keinen Zweifel über seine Absicht, sie gänzlich zu vernichten. An dem Schicksale, welches Preussen erfahren, welchem der Papst und die italienischen Staaten verfielen und welches augenblicklich über Spanien hereinbrach, konnte Österreich ermessen, welcher Art die Gefahren seien, die es bedrohten. Eine Mässigung in Verfolgung politischer Ziele war nicht Sache des französischen Kaisers und seine Kriegsmittel waren jenen Österreichs weit überlegen. Die Gefahr schien also unabwendbar, woferne, durch Eintritt unberechenbarer Hindernisse, Napoleon s Absichten auf Österreich nicht vereitelt würden. Und in der That schien die Gestaltung der europäischen Angelegenheiten im Jahre 1808 solche Hindernisse herbeiführen zu wollen, aber auch Österreichs actives Eingreifen in die Situation zu fordern. Die Schilderhebung in Spanien und Portugal, Englands Unterstützung derselben, Russlands Misstrauen gegen Frankreich; alles das verlangte nach Kundgebungen von Seite Österreichs. Der Kampf gegen Napo- 1 1) Das Nähere über die von Oberst Graf Goetzen, welcher seit Ende Juli mit dem Befehl über die „Festungstruppen“ in Oberschlesien betraut war, mit dem Wiener Hofe geführten Unterhandlungen, siehe „Geschichte der preussisclien Politik 1807 bis 1815 von Paul Hassel“, I. Theil (1807, 1808) [VI. Band der Publicationen aus den k. preussisclien Staats-Archiven, Leipzig 1881]; auch Beer „Zehn Jahre österreichischer Politik“, Leipzig 1877, erwähnt dieser Verhandlungen. (Siehe Seite 355 u. f.)