Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Originalbriefe König Friedrich's II. im Kriegs-Archive zu Wien (1759 bis 1760)
66 Originalbriefe König Friedrich’s II. im Kriegs-Archive zu Wien. Fouqué rückte nun wieder gegen Schweidnitz vor, wo ihn der Befehl des Königs zur unverzüglichen Wiederbesetzung des Postens von Landshut traf. Am 17. Juni setzte sich Fouqué zur Ausführung des königlichen Befehles dahin in Bewegung und es gelang ihm bald, Herr der Stellung zu werden, da die daselbst unter FML. Graf Gaisruck stehenden österreichischen Truppen keinen ernstlichen Widerstand leisteten, sondern sich vor den anrückenden preussischen Colonnen auf die Höhen bei Reich-Hennersdorf zurückzogen. Mittlerweile war die Nachricht eingelangt, dass die Armee des Prinzen Heinrich, welche sich Anfangs Juni in der Gegend von Sagan concentrirt hatte, den Russen entgegen, nach Frankfurt a. 0. abgezogen sei, und als daher die Kunde eintraf, dass das Corps Fouqué’s die Stellung von Landshut neuerdings besetzt habe, war Laudon entschlossen, sich dieses Gegners durch einen entscheidenden Schlag zu entledigen. Während Glatz durch 13 Bataillone, 6 Grenadier-Compagnien und 10 Escadronen unter FML. Draskovich eingeschlossen blieb, welche grösstentheils dem über Weidenau und Ottmachau herangezogenen Corps des letztgenannten Generals entnommen waren, con- centrirte der Feldzeugmeister bis zum 22. das Gros seiner Truppen der feindlichen Stellung bei Landshut gegenüber und es gelang ihm, das Corps Fouquó’s in dem Treffen am 23. Juni zu vernichten. Nach der Zertrümmerung des Corps Fouqué stand der regelmässigen Belagerung der Festung Glatz kein Hinderniss mehr im Wege. Laudon nahm zur Deckung derselben mit 26 Bataillonen, 65 Escadronen eine Stellung an der Katzbach abwärts Liegnitz, deren Rücken durch einen Theil der Cavallerie unter FML. Nauendorf bei Neumarkt gegen die Seite von Breslau gedeckt wurde. Schweidnitz und Neisse waren durch kleine Corps unter den GM. Freiherrn v. Jahnus und Grafen Bethlen beobachtet. Zur Leitung der Belagerung, für welche das schwere Geschütz aus Küniggrätz und Olmütz herbeigeführt wurde, bestimmte man in Wien den FZM. Ferdinand Philipp Grafen Harsch. Dieser General galt als ein kenntnissreicher Ingenieur-Officier, hatte aber bisher noch sehr selten das Glück des Erfolges aufweisen können; er erschien auch vor Glatz viel zu spät und blieb deshalb gegen Laudon und Draskovich ganz im Hintergründe1). Das Belagerungs-Corps bestand aus 38 Bataillonen und 17 Escadronen. In der Festung, welche mit allem Nothwendigen versehen und in vorzüglichem Zustande war 2), verfügte der preussische Vice-Commandant, Oberstlieutenant d’O, über ') Harsch verliess Wien erst am 20. Juli 1760 und traf am 22. Abends vor Glatz ein. 2) General-Major Gribeauval an FZM. Laudon, ddo. Koritau, 3. Juli 1760 ......... „L e vieux et le nouveaux fort sont petits, c’est le seul déffaut que J’y aye remarqué jusqu’icy; je compte que les bombes et ricochets y feront un bon effect.“