Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Originalbriefe König Friedrich's II. im Kriegs-Archive zu Wien (1759 bis 1760)

48 Originalbriefe König Friedrich’s II. im Kriegs-Archive zu Wien. ein ansehnliches Corps und rückte mit diesem über Jägerndorf gegen Troppau, worauf der österreichische Befehlshaber gegen Hof zurück­ging und an der Mora Stellung nahm. Als die Feinde, ohne einen eigentlichen Angriff unternommen zu haben, den Rückzug antraten, folgte ihnen de Ville nach Preussisch-Schlesien und bedrohte die Ver­bindung zwischen Fouqué und dem Könige. Dieser eilte nun mit 12 Bataillonen, 33 Escadronen und 27 Geschützen seinem General zu Hilfe und bestimmte den 1. Mai zum Tage des Angriffes auf die Stellung der Österreicher. Der General de Ville, welchen man im preussischen Hauptquartier bereits verloren wähnte, war aber recht­zeitig gegen Wtirbenthal ausgewichen, worauf der König unverrich­teter Sache nach Landshut, Fouqué nach Falkenstein zurückkehrte. Als der neu ernannte russische Ober-General Soltikoff sich von Posen her der Oder näherte, verhess Daun seine unlängst bei Schurz bezogene Stellung und schlug bei Marklissa in der Oberlausitz ein Lager auf (28. Juni), wo sich ihm Friedrich II. gegenüber stellte und durch eine Position bei Schmottseifen die Verbindung der Österreicher mit den Russen verhinderte. Letztere besiegten inzwischen (23. Juli) den preussischen General Wedell bei Palzig * *) und Daun, mit der Hauptarmee durch den König festgehalten, befahl dem FML. Laudon 18.000 Mann des linken eigenen Flügels zu den Russen zu führen. In meisterhaften Märschen längs der Lausitzer Neisse und Spree und an dem Lager des Prinzen Heinrich bei Sagan vorüber, gewann Laudon die Oder und jenseits derselben die Vereinigung mit Soltikoff. Friedrich II. erkannte die nun entstandene Gefahr und eilte (5. August) durch rasch zusammengezogene Truppen auf 48.000 Mann verstärkt, der austro-russischen Armee entgegen, welche er am 12. Au­gust in ihrer Stellung bei Kunersdorf unweit von Frankfurt an der Oder angreifen lies. Soltikoff hatte bereits 90 Geschütze und wich­tige Punkte seiner Position den Preussen überlassen müssen, als in vorgerückter Nachmittagsstunde Laudon mit weniger aber ausgeruhter Cavallerie sich auf Flanke und Rücken der feindlichen Infanterie warf und durch die Vehemenz seines Anpralles eine schon verlorene Schlacht zum glorreichsten Siege umgestaltete, welcher jemals Friedrich II. abgerungen wurde2). Nach dem Abmarsche des Königs an die Oder hatte Fouqué die Position von Landshut besetzt und ertheilte (Mitte Juli) dem General Ramin den Befehl, die Stellung und Stärke der gegenüber *) Dieses Treffen wird häufig nach den Orten Kay oder Züllichau benannt. *) Die Verluste waren beiderseits sein-gross. Die Preussen verloren über 18.000, die Austro-Russen nahe an 16.000 Mann. Unter den Opfern des Tages befand sich der preussische Major Ewald Christian von Kleist, damals in Deutschland viel­gefeiert als Dichter des „Frühlings“. Derselbe erlag in Frankfurt am 24. August seinen in der Schlacht erhaltenen Wunden.

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