Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Gustav Gömöry von Gömör, Hauptmann im k. k. Kriegs-Archive: Die Invasion Ober-Österreichs und die Wiedereroberung von Linz 1741/42
Von diesen sollte das erste Corps zwischen dem 15. und 22. August den Rhein überschreiten, nach Donauwörth und von da nach Passau marschiren, welcher Stadt sich vorerst die kurbayerischen Truppen zu bemächtigen hätten. Für das zweite Corps war die Zeit vom 20. bis 24. September zum Rhein-Übergänge anberaumt. Dieses hatte dem ersten theils nach Donauwörth, theils in die Ober-Pfalz zit folgen lind sich daselbst zwischen dem 16. und 20. October zu vereinigen. Sobald die Vereinigung der Franzoson mit den Bayern zu Passau stattgefunden, war die Vorrückung nach Linz mit successiver Besetzung Ober- und Nieder-Österreichs in Aussicht genommen *). Als Folge ihres Einfalles in Österreich erwarteten die Alliirten, dass Maria Theresia ihre Truppen aus Böhmen zum Schutze Wien’s ziehen werde. Um sowohl Ober-Österreich als Bayern während des Zuges nach Böhmen vor österreichischen Streifungen zu decken, wurde beschlossen, am linken Enns-Flussufer mit einem Theile des Heeres Stellung zu nehmen. Dies war in Kürze der feindliche Feldzugsplan, dessen Ausführung mit der Überrumplung und Besetzung der bischöflichen Residenz Passau (31. Juli) ihren Anfang nahm a)Die ersten Nachrichten über das Vorrücken der Bayern: dass zu Schärding 200 Mann Fussvolk, in Braunau 500 Pferde angekommen, Ried besetzt sei u. s. w., liefen zwischen dem 9. und 16. Juli beim Hofkriegsrathe in Wien ein. Gleichzeitig berichtete Oberst Baron Lietzen von Walsegg-Inftr. (Nr. 49) aus Breisach, dass künftigen Monat (August) 30.000 Franzosen durch Schwaben nacli Bayern marschiren werden. Bei diesen bedrohlichen Umständen berathschlagten die Confe- renz-Minister zu Wien, denen auch die Feldmarschälle Prinz Hildburgs') Aus dem Lager von Strehlen — 30. Juni 1741 — sendet König Friedrich, au den Kurfürsten seine „Reflexionen“ über die vorzunehmenden Operationen, in welchen der König zu dem grossen Coup „der Wegnahme Passau’s, Lin/.’ und dem directen Vormarsche auf Wien anrathet“. Dr. Friedrich Töpfer’s Materialien-Sammlung für bayerischejKriegsgeschichte, Band X, pag. 4. — Politische Correspondenz Friedrich des Grossen. Berlin 1879. I. Band, pag. 266. In zwei Antwortschreiben (eines ohne Datum, das andere vom 18. Juli) bedankt sich der Kurfürst beim Könige „aus dem Grunde seines Herzens für die weisen Rathschläge“. Dr. Töpfer’s Sammlung, Band X, pag. 100.-) Ohne Widerstand und Verlust, zwischen 2 und 3 Uhr Morgens, überfiel der bayerische General Graf Minuzzi mit einigen tausend Mann Fussvolk und 600 Reitern die Stadt. Zwei Stunden darauf übergab der Cardinal Bischof Graf Lamberg mit Accord auch das Schloss Oberhaus. Der Kurfürst notificirt aus München (1. August) dem Könige Friedrich, dass er das Gelingen dieses Handstreiches hauptsächlich dem Umstande zu verdanken habe, dass er zu Schärding nur eine ganz geringe Garnison unterhalten, auf welche Nachricht hin die Österreicher ebenfalls eine Besatzung nach Passau werfen wollten. Der Cardinal begegnete diesem Ansinnen der Österreicher damit, dass er erwiderte, dass das Territorium seines Bisthums von Bayern völlig frei, ja selbst Schärding nur von einer ganz geringen bayerischen Truppe besetzt sei. Dr. Töpfer’s Sammlung Band X, pag. 106.