Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Gustav Gömöry von Gömör, Hauptmann im k. k. Kriegs-Archive: Die Invasion Ober-Österreichs und die Wiedereroberung von Linz 1741/42

417 Die Invasion Ober-Österreichs und die Wiedereroberung von Linz 1741/42. Eine Episode aus dem österreichischen Erbfolgekriege. (Hiezu Tafel V.) Die militärische Kraft eines Staates ist eine der ersten Bedin­gungen der Sicherheit und der Machtstellung desselben. Bietet die Geschichte auch Beispiele, dass Staaten mit geringen militärischen Mitteln bedeutende Erfolge zu erzielen vermochten, so waren dabei besondere Umstände von Einfluss; derlei Ausnahmen ver­mögen jedoch die These nicht umzustossen, dass jeder Staat, welcher der Hebung und Vervollkommnung seiner Wehrkraft nicht jene Für­sorge angedeihen lässt, welche dieselbe mit Rücksicht auf die militä­rische Entwicklung der Nachbarstaaten erheischt, seinen Bestand und seine Zukunft auf das Spiel setzt. Betrachtet man von diesem Standpunkte die Kriegsereignisse, welche in den folgenden Blättern skizzirt sind, so ist es leicht, für manche überraschende Erscheinung den Grund zu finden. Zur Zeit, als die grosse Maria Theresia den Thron ihrer Vor­fahren bestieg, befanden sich die Wehrverhältnisse Österreichs in einem höchst ungünstigen Zustande. Die Grenzen der österreichischen Erblande waren im Westen und Norden offen, da eine Bedrohung derselben durch die Fürsten des heiligen römischen Reiches ausgeschlossen schien. Das Reich wurde sowohl in politischer als in militärischer Beziehung noch immer als Ganzes betrachtet, das nur zwei gemeinschaftlich zu bekämpfende Erbfeinde kannte, im Westen Frankreich, im Osten den Halbmond. Gegen diese allein galt es, die gemeinsamen Grenzen zu schützen, und der Rhein im Westen, die Donau und ihre Nebenflüsse im Osten bildeten die Linien, an welche sich die Befestigungen naturgemäss anlehnten. Seit dem Tode des grossen Eugen war die militärische Macht Österreichs rapid in Verfall gerathen, und der unglückliche Feldzug gegen die Türken, welcher im Frieden von Belgrad (1739) seinen Abschluss fand, hatte den europäischen Cabineten die militärische Schwäche Österreichs in ihrer ganzen Blösse klargelegt *). ') Der Stand der k. Armee betrug 52 Infanterie-, 18 Cürassier-, 15 Dra­goner- und 9 Huszaren-Regimenter, circa 163.408 Mann, die zumeist in Ungarn

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