Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

388 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr ete. bestimmten Heere haben sich gegenwärtig zu halten, dass dasjenige, welches sich der feindlichen Hauptarmee gegenüber befindet, defensiv zu Werke zu gehen habe, damit das andere inzwischen seine Vortkeile so weit treiben könne, als es die Umstände gestatten. Die Armee von Sachsen könne nur dann mit Erfolg operiren, wenn sie, über Leitmeritz hinaus gelangt, die Kroaten gezwungen habe, von Gabel abzuziehen. Dann würde ihre Hauptoperation darin bestehen, gegen Prag zu rücken und diesen festen Platz zu belagern, wenn die österreichische Haupt­armee dieser Unternehmung nicht entgegenwirke. „Die Armee von Oberschlesien solle von Hulschin über Weiss­kirchen und Prerau operiren. Sollte sie auf diesem Zuge die gesammten österreichischen Streitkräfte antreffen, so würde sie selbe festzuhalten suchen, um der Armee von Sachsen die Eroberung von Böhmen zu erleichtern. Wenn aber die österreichische Hauptmacht ein starkes Detachement nach Böhmen entsende, so träte der geeignete Augen­blick ein, sie zur Schlacht zu zwingen, weil die Anwesenheit einer siegreichen Armee in solcher Nähe von Wien den Gegner veranlassen müsste, die Truppen aus Böhmen sogleich zur Deckung der Haupt­stadt zurückzuberufen. Für den Fall, als die Küssen den Preussen Beistand leisteten, würde die Lage gänzlich verändert und die Armee von Teschen rasch befreit werden, weil der Feind sich genöthigt sehen würde, nach Ungarn oder Lodomerien zurückzugehen. „Nach der Einnahme von Prag würde die grösste Verlegenheit für die Armee sein, hinreichende Wagen aufzutreiben, um sich der Donau zu nähern, sei es über Budweis oder was noch besser wäre, über Neuhaus und Wittingau. „Betreffend die Truppen in Mähren, so würden selbe, wenn der Feind geschlagen, Brünn belagern und nach der Einnahme dieser Festung, falls ihnen die Russen zur Seite ständen, ein Detachement von 30-000 Mann über Hradisch gegen Pressburg entsenden, indess der Rest des Heeres dann so viel, als angänglich, gegen die Donau rückte. „Alle diese Operationen seien grossen Schwierigkeiten unterworfen, doch sei es mit wenig Glück möglich, sie zu einem glücklichen Ende zu führen.“ Die zur Ausführung obigen Kriegsplanes Anfangs April in Marsch gesetzten Streitkräfte hatten zwei Armeen mit nachstehender Stärke und Eintheilung zu bilden: I. (Schlesische) Armee: Oberbefehlshaber, Se. Majestät der König, Stellvertreter G. d. I. Erbprinz von Braunschweig, Commandant des zwei­ten Treffens G. d. I. v. Tauentzien. 81 Bataillone, 123 Escadronen, 433 Geschütze == 85.000 Mann. II. (Sächsische) Armee: Oberbefehlshaber Prinz Heinrich von Preussen. 88 Bataillone, 150 Escadronen, 475 Geschütze = 82.000 Mann.

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