Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution
374 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr ete. das Übereinkommen vom 3. Januar 1778 protestiren zu können, so lade ihn die Kaiserin dennoch ein, seine Beschwerden vorzubringen, damit sie mit den Forderungen des Hauses Österreich gemeinschaftlich geprüft und im Wege gerichtlicher Entscheidung zum Austrag gebracht werden. Indem der kaiserliche Hof in dieser Weise die Mittel zu einer Verständigung angebe, überlasse er sich der Hoffnung, dass die bisherige verdriessliche Meinungsverschiedenheit mit ihren Folgen aufhören werde. Während des Rechtsstreites und der damit verbundenen diplomatischen Action zwischen den beiden Höfen hatten sich ihre Streitkräfte in Bewegung gesetzt und zum Theil in den angrenzenden Provinzen gesammelt und aufgestellt. Österreich, von der Besorgniss erfüllt, Preussen könnte wieder in Böhmen, Schlesien und Mähren mit bewaffneter Hand einbrechen und sich darin festsetzen, säumte nicht, bei Zeiten kriegerische Vorkehrungen gegen einen Überfall zu treffen und das Grenzgebiet in Ver- theidigungszustand zu setzen, damit es nicht ein zweites Mal wehrlos das Schicksal Schlesiens theile. Organisation der kriegführenden Mächte. I. Das österreichische Heer. *) Mit Ende des Jahres 1777 waren der Bestand und die Stärke der österreichischen Kriegsmacht folgende: 39 deutsche, 11 ungarische, 5 niederländische, 2 italienische, zusammen 57 Linien-Infanterie-Regimenter zu 2 Grenadier-Compagnien, 2 Feld-Bataillonen ä 6 Compagnien und ein Garnisons- (3.) Bataillon ä 4 Compagnien mit einem Friedensstande von 2215 Mann und einem Kriegsstande von 2707 Mann. 2 Garnisons-Infanterie-Regimenter zu 3 Bataillonen a 6 Compagnien mit einem Friedens- und Kriegsstande von 3609 Mann. 1 Niederländisches Garnisons-Bataillon zu 4 Compagnien mit einem Friedensstande von 806 Mann. 17 Grenz-Infanterie-Regimenter zu 3 Feld-Bataillonen ä 6 Compagnien Infanterie, jedes Bataillon zu 920 Mann, 3 Compagnien Scharfschützen zu 100 Mann, 2 Compagnien Artillerie zu 500 Mann, das Regiment daher zusammen mit einem Kriegsstande von 4185 Mann. 1 Tschaikisten-Grenz-Bataillon zu 4 Compagnien mit einem Kriegsstande von 1108 Mann. Tyroler Scharfschützen-Corps, im Kriege bestehend aus 2 Bataillonen ä 6 Compagnien zu 150 Mann, zusammen ungefähr 2000 Mann. 2 Carabiner-Cavallerie-Regimenter zu 8 Feld - Escadronen mit einem nahezu gleichen Friedens- und Kriegsstande von 1364 Mann, 1364 Pferden. ') Nach Akten des k. k. Kriegs-Archivs.