Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau. 33 Ried besetzte um 4 Ulir Früh Liegnitz. Seine Cavallerie machte zwischen der Stadt und Pfaffendorf einen Versuch zum Übergänge auf’s linke Ufer des Schwarzwasser-Baches, wozu nur eine einzige Brücke zur Verfügung stand. Hiebei wurde sie jedoch von 20 Esca- dronen feindlicher Cavallerie angegriffen und wieder zurückgetrieben. Auch einige andere Versuche der österreichischen leichten Truppen, das Schwarzwasser zu überschreiten, wurden theils durch die sumpfigen Ufer desselben, theils durch den Gegner vereitelt. Nur einer Huszaren- Abtheilung gelang es, durch eine Furt bei Rüstern bis Hummel vorzudringen. Das Gefecht beschränkte sich hier in weiterer Folge auf eine wirkungslose Kanonade, an welcher auch die Corps Beck und Wolfers- dorff thcilnahmen. Dieselbe endete gegen 8 Uhr Morgens. Auf den Höhen am rechten Ufer des Schwarzwasser angelangt, machten Daun und Lacy Halt. Nachdem einige Zeit recognoscirt und überlegt worden war, langte die Meldung Laudon’s über das Vor­gefallene ein, wodurch sich der Marschall veranlasst sah, das Gros der Armee in das alte Lager bei Hochkirch zurückkehren zu lassen! Nur Lacy blieb bei Waldau stehen. Der König dagegen, froh der 66.000 Mann Daun’s so leichten Kaufes los geworden zu sein, brach kurz nach Beendigung des Ge­fechtes mit 5 Bataillonen, 30 Escadronen nach Parchwitz auf und setzte sich daselbst am rechten Ufer der Katzbach fest. Der Rest des prcussischen linken Flügels, 14 Bataillone, 10 Es cadronen, folgte im Laufe des Tages, der auf dem Schlachtfelde zum General der Cavallerie ernannte Zieten mit dem rechten Flügel, 17 Bataillonen, 38 Escadronen, erst gegen Abend. Über die Motive der Handlungsweise des Marschalls gibt uns ein Brief desselben an die Kaiserin vom 29. August *) Aufklärung, worin es heisst: „Wenn ich den Feind verfolgt hätte, so wäre ich von Laudon abgeschnitten gewesen (!) und hätte mich in einer sehr üblen Lage befunden. Dabei würde der Feind noch mehr Vor­sprung gewonnen haben, indem er Herr der Katzbach war; und wie gesagt, ich erhielt nicht eher Gewissheit über den Marsch des Feindes nach Parchwitz, als um 4 Uhr Nachmittags, und zu gleicher Zeit liess Laudon mir sagen, dass der Feind die Katzbach bereits passirt habe. Am Morgen, da er (Laudon) mir mittheilte, dass er zurückgeworfen worden sei, machte er keine Meldung von dem erwähnten Marsche des Feindes, weil er noch nicht davon wusste, und liess mir nur sagen, dass er in sein altes Lager zurückkehre, was mich nöthigte dasselbe zu thun, um so mehr als dies das einzige Mittel war, um dem Feind noch an der Katzbach oder wenigstens bei Neumarkt zu­') Kriegs-Archiv, 1760, Fase. VIII, 16, Cabinets-Acten. Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1882.

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