Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution
368 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. der goldenen Bulle, dem Westphälischen Friedensschlüsse und der allgemeinen Reichsverfassung entgegen wären und die Erbfolgerechte mehrerer Reichsstände offenkundig verletzten. Man würde nicht allein das Unbegründete dieser durch nichts erwiesenen Einwürfe künftig beweisen, sondern auch darlegen, dass der König von Preussen zu diesen Einwürfen und Machtsprüchen als einzelner Reichsstand nicht befugt sei, da einem Reichsstande die Befugniss zustehe, sich mit einem anderen über schwebende Ansprüche zu vergleichen. Die Kaiserin beabsichtige weder das Kurhaus Sachsen an seinen erweislich berechtigten Allodial-Ansprüchen zu verkürzen, noch auch dem Entscheidungswege in Betreff der von dem Herzog von Zweibrücken erst kürzlich eingereichten und durch gewisse Emissäre veranlassten Protestation sich zu entziehen. Die Kaiserin könne aber nur einen gesetzlichen Entscheidungsweg, nämlich den oberstgerichtlichen betreten, niemals aber auf der anderen Seite, wie man erwarte, den preussischen Richterstuhl anerkennen“. Friedrich II., dem die friedfertigen Neigungen der Kaiserin Maria Theresia und demzufolge das Vorhandensein einer starken Friedenspartei am Wiener Hofe bekannt war und der auf baldige Unterstützung Russlands nicht zählen konnte und das Übergewicht der österreichischen Macht fürchtete, nahm die Erklärungen des Wiener Cabinets vom 1. und 18. April nicht als Ultimatum an, sondern hielt sich den Weg weiterer Unterhandlungen offen. Kaiser Josef aber, welcher wie bereits erwähnt, anfänglich an den Ausbruch eines Krieges wegen der bayerischen Erbfolge nicht geglaubt, hatte bisher nur untergeordnete Dispositionen bezüglich der Mobilmachung und Zusammenziehung des Heeres getroffen. In Folge der Einmischung Preussens gedachte er nun dem Kurfürsten Karl Theodor für Bayern und die Oberpfalz die Niederlande zu geben, obgleich letztere Eine Million mehr Einkünfte hatten. Als der Kaiser in der Folge die Absichten des Königs von Preussen, seinen Machtspruch, Österreich gegenüber selbst mit Waffengewalt durchzusetzen, erkannte und den Krieg für unvermeidlich hielt, drang er auf rasche und energische Entschlüsse '). Lage Österreichs und Stellung der Mächte bei Ausbruch des Krieges. Der rasch über ganz Europa sich verbreitende Kriegslärm rief bei der Kaiserin Maria Theresia die ernstesten Besorgnisse wach. Vom Hause aus war sie schon gegen ein offensives Vorgehen gegen Preussen gewesen. Jetzt raffte sie sich zu einem grossen Entschlüsse auf. Um die Kriegslust ihres Sohnes zu massigen und den Kampf zu vermeiden, richtete die Kaiserin am 14. März 1778 an Josef II. nach') Arneth: „Maria Theresia und Josef II. Ihre Cortrespondenz.“ etc.