Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

364 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. Am 28. März 1778 verpflichtete sich Friedrich II. endlich durch einen förmlichen Vertrag, die Rechte des Pfälzischen Hauses auf die Nachfolge in Bayern mit seiner ganzen Macht zu verfechten. Der Herzog Karl August dagegen machte sich verbindlich, ohne Genehmi­gung des Königs von Preussen mit dem Wiener Hofe keine Art von Vergleich einzugehen. Bereits zehn Tage zuvor, 18. März, war es dem Könige gelungen, durch ein ähnliches Übereinkommen sich auch Kur­sachsens zu versichern, indem er dem Kurfürsten Friedrich August für dessen Allodialforderungen an die bayerische Erbschaft angemes­sene Befriedigung zu erwirken versprach. Die Neutralitäts-Erklärung Frankreichs, die Agitationen in Bayern und Regensburg, sowie die Bündnisse mit Pfalz-Zweibrücken, Mecklen­burg und Sachsen hatten Preussen nicht allein eine feste politische Stellung in Deutschland geschaffen, sondern waren demselben auch in militärischer Beziehung von unendlichem Nutzen. Die österreichisch- bayerische Convention vom 3. Januar 1778 und das gegenseitige Recht, eine solche zu schliessen, waren unter allen Umständen viel evidenter und unantastbarer als jenes, welches Friedrich II. auf die vier schlesischen Herzogthümer Jägerndorf, Brieg, Liegnitz und Wohlau seiner Zeit geltend gemacht hatte, um Schlesien mittelst Waffengewalt mitten im Frieden zu überfallen und einen verheerenden eilfjährigen Krieg (1741 bis 1742, 1744 bis 1745 und 1756 bis 1763)zu führen. Das erwähnte Über­einkommen und die Besetzung eines Theiles von Bayern, welche auf Grund desselben erfolgte, waren juristisch weniger anfechtbar, als die Auslegung des Testaments Kaiser Ferdinand I. und die Begründung anderer Ansprüche, kraft welcher die Kurfürsten Karl Albrecht von Bayern und August III. von Sachsen im Jahre 1741 in Oberösterreich und Böhmen eingebrochen waren. Dem Beispiele Frankreichs folgend, hatte sich auch der Kurfürst von Bayern für den Kriegsfall neutral erklärt, weil er einen Einfall der Preussen und Sachsen in sein Land und den Ausbruch einer Revolution befürchtete, welch’ letztere die durch preussische Agenten bearbeiteten Stände anzuzetteln versuchten. Durch die Bündnisse Sach­sens und Mecklenburgs mit Preussen und die Neutralitäts-Erklärung Bayerns wurde die Streitmacht Österreichs um 50.000 bis 60.000 Mann geschwächt, jene des Königs Friedrichs II. um 25.000 bis 30.000 Mann verstärkt, da Bayern, Sachsen und selbst Mecklenburg im siebenjährigen Kriege an der Seite der Österreicher gefochten hatten ‘). Die Haltung Frankreichs in dem Conflicte zwischen Österreich und Preussen, welche dem Berliner Hofe freie Hand verschafft hatte, seinen mächtigen Nachbarstaat im Reiche zu isoliren und desto leichter bekriegen zu können, sobald sich dieser seinem Machtspruche nicht ) Mecklenburg--Schwerin hatte sich erst 1759 gegen Preussen erklärt.

Next

/
Oldalképek
Tartalom