Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau. 31 Während dessen hatte Laudon das aus 10 Bataillonen, 11 Grena­dier- und Carabinier-Compagnien (zusammen 5673 Mann) bestehende Grenadier-Corps aufmarschiren lassen, und ging mit demselben zum Angriff gegen den Reh-Berg vor. Die daselbst stehenden preussischen Truppen wurden zurückgedrängt und mussten ihre ganze Artillerie im Stiche lassen. Laudon ordnete nun die Besetzung der Höhe durch das Grena­dier-Corps und den Aufmarsch seiner beiden Infanterie-Treffen westlich Bienowitz an. Ehe man aber damit zu Stande kommen konnte, rückte der König schon mit seinem ganzen linken Flügel zum Gegenangriffe vor. Er hatte die neugebildete Linie mit 8 Bataillonen seines ersten Treffens nach rechts verlängert und derselben 4 Bataillone des zweiten Treffens als Reserve folgen lassen. Der Stoss dieser 19 Bataillone traf das Grenadier-Corps Laudon’s, ehe dessen Unterstützung durch die Infanterie des Gros möglich wurde, da der Aufmarsch der letzteren kaum erst begonnen hatte. Die Grenadiere wurden durch die Über­macht zum Weichen gebracht, in diesem Momente auch noch durch zwei feindliche Cürassier-Regimenter attakirt und erlitten bedeutende V erluste. Um das Grenadier-Corps nicht zu opfern, war Laudon genöthigt, jetzt auch die Infanterie seiner beiden Treffen, so wie sie nach und nach verfügbar wurden, einzusetzen. Viermal noch griff er an, aber es gelang ihm bei der knapp bemessenen Zeit, welche des Gegners Drängen gewährte, nicht, eine entsprechend starke Angriffslinie zu formiren; so stand er jedesmal überlegenen Kräften gegenüber. Im Laufe des Gefechtes hatte sich die gleich bei Beginn des­selben geworfene Cavallerie des rechten Flügels wieder gesammelt, und die drei Regimenter des linken Flügels waren gleichfalls zu den­selben gestossen. So lange der Kampf sich mehr auf der Höhe abspielte, konnte diese Cavallerie, des mit Buschwerk bedeckten und mit Gallen durch­zogenen Terrains wegen, welches sich südlich Schönborn ausbreitet, zu keiner wirksamen Action gelangen. Nun aber bewegte sich der Kampf nach und nach mehr gegen Bienowitz zu und da, beim letzten Angriffe Laudons, brachen vier der österreichischen Reiter-Regimenter in die preussische Infanterie ein, ritten einige Bataillone nieder, trieben die übrigen zurück und eroberten 10 Fahnen. Leider hatte auch diese Attaké keinen entscheidenden Erfolg, da die österreichische Cavallerie vor der horaneilenden preussischen schliesslich das Feld räumen musste. Von vier Bataillonen angegriffen, ging nun auch der Ort Panten verloren; er ward zwar wieder genommen, aber bald darauf nochmals verloren, wodurch der linke Flügel Laudon’s sich zum Rückzuge über die Katzbach genöthigt sah. Dagegen schwankte am östlichen Flügel noch immer die Entscheidung.

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