Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

26 Dor Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien Allein Daun war im Vorsprung. Auch hatte das Corps Beck bereits am 8. Goldberg erreicht, und stellte sich, vom Grenadier-Corps Daun’s unterstützt, der preussischen Vorhut bei Adelsdorf (*/4 Meilen [5'7km] nw. Goldberg) entgegen. Dies nöthigte den König, seine Absicht vorläufig aufzugeben, und er bezog ein Lager bei Hohendorf und Kroitsch (1 Meile 7'5km onö. Goldberg). Von der österreichischen Armee standen am Abend dieses Tages das Hauptcorps, 49 Bataillone, 78 Escadronen, bei Goldberg, die Corps Beck und Ried, 6 Bataillone, 18 Escadronen, beziehungsweise 5 Ba­taillone, 15 Escadronen, abwärts Goldberg dem Könige gegenüber; an diese anschliessend die Vortruppen Laudon’s unter Nauendorf in der Gegend von Krayn, und das Gros dieser Armee, welche 50 Bataillone, 83 Escadronen zählte, bei Seichau (1% Meilen [9'5km] osö. Goldberg); Lacy endlich mit 20 Bataillonen, 57 Escadronen befand sich noch bei Löwenberg. Der Vereinigung der Armee stand nichts mehr im Wege, und Daun verfügte sonach über 130 Bataillone, 251 Escadronen, bei 96.000 Mann. Der Feldmarschall schien jetzt im Allgemeinen ent­schlossen eine Entscheidung herbeizuführen, theils um dem dringenden Wunsche der Kaiserin zu entsprechen, theils um den Abmarsch der Russen zu verhüten, und hatte den letzteren auch für den 10. August einen Angriff auf den König in Aussicht gestellt. Dieser unterblieb jedoch, vielleicht aus Besorgniss, dass, nach der Situation am Abend des 9., der König der österreichischen Armee gegen Neumarkt zuvor­kommen könnte, und statt desselben setzte sich letztere am 10. Katzbach abwärts in Bewegung. Im Laufe des Tages gelangten Lacy nach Arnoldshof (2000 Schritt n. Seichau), Ried nach Dohnau (*/, Meile [3’8km] w. Hochkirch), das Haupt-Corps Daun’s nach Hochkirch, Beck nach Ojas (5'3km ö. Hoch­kirch), Laudon nach Koischwitz (3km nö. Ojas) und Nauendorf mit 32 Escadronen nach Rarchwitz. Diese Bewegung hätte dem König, wenn rasch benützt, die beste Gelegenheit geboten, gegen Jauer durchzubrechen; derselbe that jedoch merkwürdiger Weise nichts dergleichen, sondern setzte sich, nachdem die österreichische Armee in Bewegung war, gleichfalls in nordöstlicher Richtung in Marsch und bezog ein Lager südwestlich Liegnitz. Der König mochte nur beabsichtigt haben, den Feldmarschall an einen Durchbruchsversuch über Parchwitz glauben zu machen, um desto leichter über Goldberg nach Jauer zu gelangen, denn noch am seihen Abend setzte er sich zur Erreichung dieses letzteren Zweckes in Marsch. Allein die Verhältnisse waren dem Unternehmen jetzt weniger günstig als am Morgen. Die ermüdeten Truppen des Königs

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