Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

24 Der Feldzug 17ßO in Sachsen und Schlesien VIII. Operationen cler Armee des Prinzen Heinrich und der Russen. Noch müssen wir der Bewegungen des Prinzen Heinrich und der russischen Armee seit Beginn des Feldzuges gedenken. Wie bereits bekannt, war Ersterer am 11. Juni von Sagan nach Frankfurt a. d. Oder abmarschirt, wo er am 15. eintraf. Von hier wandte er sich nach Landsberg an der Warta und liess seine Truppen am 19. und 20. Juni nächst dieses Ortes und Drossen Cantonnirungen beziehen. Während in Schlesien Hilfe Noth that, stand Prinz Heinrich hier fast einen ganzen Monat unthätig. Mittlerweile marschirte die russische Operations-Armee von der Weichsel nach Posen, und stand hier am 17. Juli, mit Ausnahme der dritten Division, welche sich noch bei Czarnikow an der Netze befand, vereinigt. Aber trotz eines speciellen Befehls des russischen Hofes, welchen die österreichische Regierung auf Grund des glücklichen Fortganges der Operationen in Schlesien erwirkt hatte, trat Soltikoff den Weiter­marsch gegen Breslau erst am 26. Juli an. Bis dahin hatte er der Ausführung des Befehles stets neue Bedenken entgegen zu setzen gewusst. Überdies ging der Marsch, ungeachtet Laudon’s Drängen, sehr langsam von Statten, so dass das russische Gros erst am 6. August vor Breslau eintraf (21 Meilen in 12 Tagen); natürlich zu spät. Prinz Heinrich hatte seine Truppen am 16. Juli bei Gleissen (3'/2 Meilen [26'5km] s. Landsberg) und Kloster Paradies (l‘/4 Meilen 19'5km| n. Schwiebus) concentrirt. Am 26. setzte auch er sich mit der Absicht in Bewegung, die Vereinigung der beiden feindlichen Armeen zu hindern. Er traf am 1. August bei Glogau ein, wo er durch die bei Landshut entkommene Cavallerie Fouqué’s, welche Tauenzien unmittel­bar vor der Einschliessung Breslau’s nach ersterem Orte abgeschickt hatte, die Belagerung dieser Stadt durch Laudon erfuhr. Dies trieb ihn zur Eile. Am 3. August erreichte er die Katzbach, und schob, da Wolfersdorff und Caramelli sich über Laudon’s Befehl bereits auf Neumarkt zurückgezogen hatten, seine Vorhut sofort über Parchwitz vor. Am Abend des 4. August setzte er seine Bewegung fort, und traf am 6. bei Breslau ein. Laudon hatte nach Aufhebung der Belagerung am 4. seine Kräfte bei Canth concentrirt, setzte aber dem Marsche des Prinzen kein Hinderniss entgegen. Czernitschew war während der Bewegung Soltikoff’s auf Breslau, über Laudon’s Ansuchen, nach Leubus (s/4 Meilen |5'7k"'] ö. Parchwitz) dirigirt worden, wo er über die Oder gehen, sich mit Laudon ver­einigen und mit diesem wieder gegen Breslau vorrücken sollte.

Next

/
Oldalképek
Tartalom