Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau
mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau. 15 kurze Zeit zum Stehen, musste sich aber endlich, durch die Übermacht genöthigt, dennoch in die Verschanzungen auf der Höhe des Hahn- Berges zurückziehen. Nun Hess FML. Wolfersdorff seine sämmtlichen Geschütze auf dem Blasdorfer Berge vereinigen und bereitete auch seinerseits die Fortsetzung des Angriffes auf den nächsten Abschnitt der feindlichen Stellung vor, während General St. Ignon mit 3 Bataillonen, 5 Escadronen auf die Höhen westlich Leppersdorf, in den Rücken derselben vorrückte. Die Johnsdorfer Höhe blieb einstweilen durch 2 Bataillone, 5 Escadronen besetzt. Zti gleicher Zeit war auch Nauendorf, der den Bober nach gelungenem Angriffe des österreichischen rechten Flügels bei Krausendorf passirt hatte, gegen den einzigen noch offenen Rückzugsweg des Gegners im Vorrücken begriffen, um auch diesen zu verlegen. So sah Fouqué den eisernen Ring um sich her schliessen, und die letzte Hoffnung auf Rettung schwand. Er gab seine Sache verloren und ertheilte dem General Malachowski Befehl, die Cavallerie des Corps zu sammeln und sich mit ihr durchzuschlagen, um wenigstens diese zu retten. Um 4 Uhr Früh passirte letztgenannter General bei Landshut den Bober, fand aber jenseits Nauendorf schon aufmarschirt und wurde von diesem, im Vereine mit einem Dragoner-Regimente von der Cavallerie des FML. Podstatzky, welches Nauendorf gefolgt war, sofort angegriffen. General Malachowski nahm die Attaké an, warf sich, in Colonne formirt, der österreichischen Cavallerie entgegen, und es gelang ihm wirklich mit einem Verluste von 500 Mann durchzubrechen. Er selbst fiel, da ihm hiebei das Pferd unter dom Leibe erschossen wurde, in österreichische Gefangenschaft. Nach 6 Uhr Früh schritt der österreichische rechte Flügel zur Fortsetzung des Angriffes, welcher sich nunmehr gegen die Hauptstellung des preussischen Corps richtete. Hiezu rückte derselbe in zwei Colonnen theils von Zieder her gegen die Front, theils durch Landshut gegen die Flanke der auf dem Kirchberge aufgestellten vier feindlichen Bataillone vor. Ein Bataillon, welches Fouqué der durch Landshut vorrückenden Colonne vom Galgen-Berge her entgegenwarf, wurde zurückgewiesen, verursachte aber doch einen Aufenthalt, so dass die südliche Colonne zuerst allein zum Sturme schritt und abgewiesen wurde. Erst beim zweiten, von beiden Colonnen gleichzeitig ausgeführten Angriffe, wurden die auf der Höhe gelegenen Schanzen nach verzweifeltem Widerstande des Gegners erobert. FML. Wolfersdorff griff zu gleicher Zeit den Hahn-Berg an und erstürmte denselben ebenfalls.