Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Bericht des k. k. General-Majors Graf Bubna, ddo. 11. October 1808 an den Generalissimus Erzherzog Carl über die Zusammenkunft mit dem königl. preussischen Obersten Graf Goetzen in der Ottendorfer Mühle

die Zusammenkunft mit dem königl. preussischen Obersten Graf Goetzen. 95 sei, welches auch die Note des Ministers Baron Stain, an Grafen von Goetzen bestimmt sagt. Nur besorgt Goetzen, dass die Ratification des Vertrages, die Entfernung aller deutsch gesinnten Männer vom Staats-Ruder nach sich ziehen werde, und dass sodann, wenn der König einmal mit übelgesinnten Männern umgeben ist, es Seiner Majestät, selbst hei dem besten Willen, nicht möglich sein dürfte, für Österreich zu handeln; weil Niemand des Königs Gesinnungen unterstützen wird. Überhaupt ist es des Grafen von Goetzen ganz besonderes Anliegen gewesen, uns über die Schritte, welche der Kaiser von Russland für Preussen in Erfurth thun wird, genau aufzuklären, und das Misstrauen, welches aus diesem entstehen könnte, zu heben. Endlich hat mir auch Graf von Goetzen den beyliegenden Aufsatz übergeben; einen gleichen hatte der nach Wien abgeschickte königlich preussische Hauptmann Thielemann vom General-Stab, für Seine Kaiserliche Hoheit den Erzherzog Johann und für Seine Königliche Hoheit den Erz­herzog Ferdinand mitgenommen, und dieser erhielt zugleich den Auftrag, Euer Kaiserlichen Hoheit vorzustellen, dass Graf von Goetzen es nicht habe wagen wollen Höchstdenselben diesen Aufsatz directe zuzusenden, sondern es schicklich erachtet habe, mich zu einer Zusammenkunft einzuladen, und mir diese Piece für Euere Kaiserliche Hoheit zu übergeben. Im Wesentlichen kann man seiner Ansicht der Dinge nicht wider­sprechen, so wenig als man es ihm verargen kann, dass er in der ein­geengten Läge des Preussischen Staates, sich so sehr nach baldiger Ent­scheidung sehnt. Bubna m. p., General-Major. B. *) In dem gegenwärtigen Augenblick muss das Schicksal von Europa entschieden werden, ob es in der Cultur und gesellschaftlichen Glückselig­keit fortschreiten, oder in Barbarei zurücksinken soll. Preussen macht aller­dings nur einen kleinen Theil des Ganzen, allein sein gänzlicher Fall, oder, was einerley ist seine Unterwerfung unter Frankreich reisst ein Hauptrad aus dem Werke, und giebt der Gegen-Parthei grosse Kräfte und Mittel, die es der guten Sache entzieht. Aber es ist auch nicht allein Preussen, es ist das ganze nördliche Deutschland, dessen Kräfte und Mittel hier mit Preussen verloren gehen, und dort Zuwachsen. Bei der Lage, in welcher sich gegenwärtig Europa befindet, sind nur zwei Fälle möglich: der eine: dass Frankreich sich mit Österreich accommo- dirt, alle Mittel gegen Spanien anwendet, dieses natürlich am Ende unter­drückt, indess sich ganz Deutschland mit Preussen politisch unterwirft, seine Macht dann consolidirt, den letzten Funken von Hoffnung zu seiner Befreiung unterdrückt, und dann seine Rache an Österreich ausübt; oder dass es die spanischen Angelegenheiten ruhen lässt, und jetzt schon mit aller Macht auf Österreich fällt. *) Das bei „Hassel“ Actenstücke, Seite 549 (Nr. 250), publicirte Memoire weicht von dem hier veröffentlichten an einigen Stellen ah.

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