Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809
Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 81 ■stärke des Gegners in Italien, Tirol und Dalmatien unter dom Oberbefehle Eugen Beauharnais, Vicekönigs von Italien, bezifferte sich auf rund 100.000 Mann, worunter bei 7000 Reiter; indess blieben zur unmittelbaren Operation gegen den Erzherzog Johann nur etwa 46.000 Mann disponibel. Als allgemeine Directive für die Operation war dem Erzherzoge die Festhaltung Tirols und in Ober-Italien das Vordringen über die Etsch bezeichnet worden, wobei es selbstverständlich blieb, dass die secundären Unternehmungen der innerösterreichischen Armee durch die Operationen der Hauptarmee in Süddeutschland bestimmt werden würden. Erzherzog Johann übertrug dem FML. Marquis Chasteler die Leitung der Operationen in Tirol; mit dem Gros der Armee, circa 35.000 Mann, zog er nach Italien, schlug die Franzosen am 15. April in dem Treffen bei Pordenone, am 16. in der Schlacht bei Fontana- Fredda (Sacile) und stand Ende April mit 22.000 Mann, zum Übergänge bereit an dor Etsch. Der Rest war bei der Cernirung einzelner fester Punkte und gegen Mestrc in Verwendung. Eben so rasch und erfolgreich waren die Operationen Chasteler’s, der sich unaufgehalten des ganzen Pusterthaies bemächtigte und im Vereine mit dem Tiroler Landstürme unter Andreas Hofer bis Innsbruck vorrückte, wo er am 15. April seinen Einzug hielt. Bis auf Trient, wo sich Baraguay d’Hilliers mit bedeutenden Kräften hielt, war ganz Tirol vom Feinde gesäubert und die Communication zwischen den französischen Armeen in Deutschland und Italien unterbrochen. Die Ereignisse bei der Hauptarmee in Bayern nöthigten jedoch Erzherzog Johann, ungeachtet seiner schönen Erfolge, zum Rückmärsche. Am 29. April, dem Tage des siegreichen Treffens bei San Bonifacio, erhielt er die officielle Nachricht von dem Rückzuge der Hauptarmee nach Böhmen und zugleich auch die Ermächtigung, den Rückmarsch seiner Truppen aus Italien nach eigenem Ermessen einzuleiten. In der Folge wurde von der Hauptarmee auch die Division des FML. Baron Jellachich, welche an der Salzach stand, um die Wege in’s Ennsthal und nach Steiermark zu vertheidigen, der innerösterreichischen Armee zugewiesen. Erzherzog Johann trat am 1. Mai einen durch die Verhältnisse bedingten langsamen Rückmarsch an, der ihn in viele verlustreiche Gefechte verwickelte. Seine Absicht, die Pässe Kärntens zu vertheidigen, erwies sich unter den gegebenen Umständen als nicht ausführbar, weshalb er den Marsch bis Villach fortsetzte, nachdem er schon früher den FML. Gyulai direct über Tarvis nach Laibach instradirt hatte, um die Verteidigung Krains und Croatiens zu organisiren und den croatischen Landsturm aufzurufen. Tn Villach erwarteten den Erzherzog erschütternde Nachrichten: Wien war gefallen, -— FML. Chasteler am 13. Mai bei Söll und Wörgl Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1881. 6