Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 79 Centrums in Flanke und Rücken bedroht, zuerst Esslingen und Asparn räumte und sich dann gegen Leopoldau zurückzog. „Um 4 Uhr Nachmittags war der Erzherzog Johann mit seiner Avantgarde zwischen Schönfeld und Unter-Siebenbrunn eingetroffen, wo er durch den Major de l’Ort die Bewegung des FML. Fürst Rosenborg erfuhr, auch solche aus dem Feuer wahrgenommen hatte. Er wartete daher die übrigen Truppen ab und rückte dann gegen Abends 8 Uhr gegen Ober-Siebenbrunn vor. „Die Avantgarde kam bis gegen Markgraf-Neusiedl, wo sie Gefangene machte und einige Gefangene von uns befreite. Da jedoch Orth, Loibersdorf (Leopoldsdorf), Markgraf-Neusiedl u. a. vom Feinde besetzt waren, derselbe mit der Cavallerie sich nach rechts ausgedehnt hatte und das Feuer der Armee zurückzugehen schien, glaubte er für heute nichts mehr unternehmen zu können, zog seine Infanterie gegen Marchegg und liess die Arriéregarde bei Schönfeld.“ Antheil der innerösterreichischen Armee unter Erz­herzog Johann an der Schlacht bei Wagram. Wenn die Sonne des Glückes die Unternehmungen der Kriegs­macht begleitet und der Sieg ihren Fahnen folgt, dann wird wohl selten die Frage laut, auf welche Art denn auch dieses Ziel erreicht worden sei. Man freut sich des Erfolges, glorificirt den Führer und dio Armee, zählt die Trophäen, aber kaum irgend Wer gedenkt der strategischen oder taktischen Manöver, die all’ dem verausgingen, Niemanden fällt es bei, sie vor das Forum einer sachgemässen Kritik zu ziehen; — sie führten zum gewünschten Ziele — was liegt daran, wenn dies vielleicht auch nicht streng nach den Regeln der Kunst geschah! — Wandte sich aber der Sieg dem Gegner zu, musste sich die Genialität des Führers, die heroische Tapferkeit des Heeres jener Legion schwer berechenbarer Zufälle beugen, die man unter dem Namen „Kriegsglück“ zusammenfasst, wie ändert sich da das Bild! Weit entfernt, sich auch hier nur mit dem Resultate zu begnügen, greifen, berufen oder unberufen, tausend Hände zugleich nach der Sonde, um sie mit weit weniger Geschick als Behagen in die Wunde zu führen, den Sitz des Übels zu erkunden. Alle Vorkehrungen und Dispositionen des Feldherrn werden zerfasert, als bestünde die grosse Masse ausschliesslich nur aus gelehrten Strategen, und endlich wird aus dem Ganzen ein Moment, eine einzelne Episode horausgegriffen, welche wohl oder übel als der Urquell alles Übels gelten muss, da es sich bei solchen Untersuchungen doch nur immer mehr um die Drastik, als um die Logik handelt. Die Schlacht bei Wagram war kaum geschlagen, die Donner von Znaim wiederhallten noch in dem Tliale der Thaya, als auch

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