Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809
Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 77 „Um nichts unversucht zu lassen, was das Gefecht hersteilen könnte, wurde nun mit dem als Flanke aufgestellten Überreste des linken Flügels des ersten Treffens ein Angriff gegen den Thurm, als dem Schlüssel der Position, unternommen. Der Angriff war vielversprechend; der sich aber dort immer mehrende Feind und besonders sein kreuzendes Kartätschenfeuer zwang, aller Anstrengung ungeachtet, von diesem letzten Versuche abzustehen. „Der Feind nahm in seinen immer vorgreifenden Angriffen die Richtung gegen Bockfliess; ein Cavallerie-Rcgiment des II. Armee-Corps eilte zur Unterstützung des linken Flügels herbei. „Der Generalissimus, der um diese Zeit auf den linken Flügel gekommen war, befahl nun der ganzen auf dem äussersten linken Flügel aufgestellten Cavallerie, sich auf den rechten feindlichen Flügel mit ganzer Kraft zu werfen, ihn selbst dadurch zu überflügeln und unsere Front zu degagiren; gleichzeitig hatten 5 Bataillone und 4 Escadronen des II. Corps das IV. zu unterstützen. Dieser Angriff begann mit Durchbrechung der feindlichen Cavallcrie-Linien und Eroberung von 10 Kanonen; allein die Übermacht der feindlichen Cavallerie um mehrere Regimenter, die unsere beim Vorrücken in Flanke und Rücken nahm, machte ihn zuletzt dennoch scheitern. Die Cavallerie musste weichen und sich blos begnügen, den Rückzug des linken Flügels der Infanterie zu decken, welcher in Bataillonsmassen in der Direction des Wendlinger-IIofes begann. „Die Regimenter des rechten Flügels des IV. Corps, die sich nun durch den Rückzug des linken Flügels in einem mörderischen Kreuzfeuer befanden und deren Geschütz wegen grossen Verlustes der Artilleristen fast ohne Wirkung war, begannen nun ebenfalls ihren Rückzug und bildeten während der starken Verfolgung des Feindes die Arriéregarde des Corps.“ Mit der Wegnahme des Tliurmes von Markgraf-Neusiedl begann zugleich die Vorrückung des Centrums und linken Flügels der französischen Armee, die sich bisher mehr passiv verhalten hatten. Eine Angriffs-Colonne von 31.000 Mann Infanterie, 0000 Reitern und 100 Geschützen rückte unter Marschall Macdonald vor und stürzte sich in die Intervalle zwischen dem Grenadier-Corps und dem III. Armee- Corps; gleichzeitig schoben sich die Divisionen Molitor, St. Cyr und Legrand in den Raum zwischen dem III. und VI. Armee-Corps. Die Anstrengungen der Franzosen splitterten jedoch an dem heldenhaften Widerstande der österreichischen Regimenter. Vier Mal wurde der Angriff wiederholt und eben so oft durch das verheerende Kreuzfeuer und die Gegenangriffe der kaiserlichen Truppen wieder zurtiekgeworfen. Doch auch diesen war durch die übermächtige Wirkung der Batterie von 100 Kanonen die Möglichkeit des Vor