Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 73 Das IV. Corps führte diesen Befehl aus und zog sich in die Position zurück, nachdem es über 1000 Mann verloren hatte und fast das ganze Geschütz durch das weit überlegene Kaliber des Gegners unbrauchbar gemacht worden war. Um 6 Uhr Morgens endlich näherten sich die noch fehlenden Corps dem Schlachtfelde. Das Grenadier-Corps war bis Aderklaa vor­gerückt, welches die Franzosen in der Nacht geräumt hatten; das Cavallerie-Reserve- Corps stand zwischen diesem Orte und Breitenlee; das III. Corps kam über Gerasdorf in gleicher Höhe mit den Grenadieren und suchte gegen Breitenlee vorzurücken; FML. Klenau mit dem VI. Corps occupirte den Raum zwischen Breitenlee und Stadlau. Durch diese Verzögerung war der Scheinangriff des IV. Corps ganz ohne Wirkung geblieben und hatte in seiner Vereinzelung eigentlich zur Folge gehabt, dass die Absicht des Generalissimus vor­zeitig aufgedeckt wurde. Als daher Napoleon die Vorrückung der kaiserlichen Hauptmacht gegen seinen linken Flügel gewahrte, fasste er den Plan, sich des wichtigen Punktes Aderklaa zu bemächtigen, bevor noch das Grenadier-Corps, dann das III. und IV. Corps in der Gefechtsfront eintreffen konnten. Im Besitze dieses Ortes, konnten diese beiden letzteren Corps in ihrem Anmarsche gehemmt und ein Stoss auf die Mitte der österreichischen Stellung ausgefiihrt werden, der durch die gleichzeitige Umgehung des linken Flügels die Ent­scheidung bringen musste. Massena und Bernadotte erhielten den Befehl, Aderklaa zu nehmen; Davoust, durch die Cürassier - Division Arrighi aus dem Centrum verstärkt, hatte sich Markgraf-Neusiedls zu bemächtigen, den linken Flügel der Österreicher zu umgehen und hierauf gegen Wagram vorzurücken. — Das Corps Oudinot blieb Baumersdorf gegenüber ruhig in seiner Stellung und hatte erst dann energisch anzugreifen, wenn die Operation Davoust’s entsprechend vorgeschritten sein würde. Die Truppen des Centrums wurden angewiesen, sich während des Kampfes bei Aderklaa diesem Orte mit einer Frontveränderung links successive zu nähern, um dann den Durchbruch des österreichi­schen Centrums auszuführen. Die Durchführung dieses Planes scheiterte jedoch an der zähen Tapferkeit der k. k. Truppen. Nach 7 Uhr Morgens setzte sich Massena in Bewegung und war, ungeachtet eines verheerenden Kar­tätschenfeuers, gegen 8 Uhr im Besitze von Aderklaa. Jedoch angefeuert durch die Gegenwart des Generalissimus, warfen die Bataillone des I. Corps den Gegner durch einen energischen Rückangriff mit grossem Verluste zurück und bemächtigten sich schliesslich, unterstützt von dem inzwischen eingetroffenen Grenadier- Corps, neuerdings des Dorfes.

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