Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 55 „Das Grenadier-Corps marschirt gegen Raasdorf und setzt sich hinter diesem Orte, eh entails in mehreren Treffen, in Bereitschaft, um dahin, wo die Umstände es erfordern, rücken zu können. „Die auf dem Bisamberg detachirte Brigade des III. Corps hat auf solchem zu verbleiben. „Die Brigade Mayer, Hessen-Homburg-Huszárén und die bei Stadl-Enzersdorf detachirte Brigade (Riese) des IV. Corps bleiben en reserve bei Stadl-Enzersdorf und sind an FML. Nordmann ange­wiesen. „Alle diese Bewegungen haben sogleich vor sich zu gehen; die Köche, die bereits im Kochen begriffen sein sollten, haben unter gehöriger Aufsicht zurückzubleiben, fortzukochen und sonach der Mannschaft in die neue Aufstellung das Essen zuzubringen; wo mit dem Kochen der Anfang noch nicht gemacht worden, wird in der neuen Aufstellung abgekocht. „Der FZM. Fürst Reuss, FML. Hiller und Nordmann haben besonders zur Nachtzeit den Truppen die grösste Aufmerksamkeit zu empfehlen, sich gegen jeden Überfall sicherzustellen und haben geschickte Officiere mit Schleichpatrullen auszusenden, um alle Bewegungen und Absichten des Feindes zeitlich in Erfahrung zu bringen. Die Vorposten-Chaine vor den Vex’schanzungen rechts und links längs des Wassers ist in genauer Verbindung zu erhalten und fleissig zu patrulliren. „Ich verbleibe bis 8 Uhr Abends in dem „neuen Wirthshause“, sodann begebe ich mich nach Breitenlee, wo ich mich die Nacht über aufhalte, mit anbrechendem Tag aber zum II. Corps des FML. Fürsten Ilohenzollern begeben werde, wo ich mich auch heute hin verfüge, falls es zu einem Gefechte käme.“ Es ist nicht zu verkennen, wie sehr dieser Disposition nach die Stellung der Armee den Verhältnissen angepasst war. Beide Flügel an die Donau gelehnt, umfasste sie in einem Bogen die ganze Lobau und damit zugleich auch alle Übergänge von dieser auf das linke Ufer. Zwei starke Reserven und das Cavallerie-Corps des Fürsten Liechtenstein standen zur Verfügung des Höclistcommandi- renden, um rasch nach jenem Punkte der ohnehin kraftvoll formirten Front geworfen zu werden, den der Feind von dem noch nicht mit Sicherheit bekannten Hauptiibergangspunkte aus zunächst bedrohen würde. Selbst das IV. Corps am linken Flügel stand mehr in einem Reserveverhältnisse, da man den Hauptübergangspunkt an derselben Stelle, wo er im Mai stattfand, voraussetzte; eine Annahme, für die in den Befestigungen, welche die Franzosen ebendort in den letzten Tagen mit ungemeiner Anstrengung ausführten, eine Bestätigung erblickt werden konnte. Aber selbst in dem Falle, als der Gegner wider Vermuthen in der Richtung gegen Gross-Enzersdorf seinen

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