Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809
Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 53 das II. Corps (Hohenzollern) hinter Pysdorf Stellung zu nehmen; das IV. Corps (Rosenberg) sollte das Schloss von Rutzendorf besetzen und sich zwischen demselben und dem Orte formiren. Sämmtliche Corps bleiben in Colonnea und erwarten in dieser Vorbereitungsstellung die weiteren Verfügungen. In diesen Dispositionen sprechen sich die Absichten des Generalissimus klar und bestimmt aus. Er ist entschlossen, dem Feinde entgegen zu gehen, sobald dieser einen Ubergangsversuch unternimmt. Die Anhäufung des grösseren Theiles der Gesammtkraft gegen den rechten Flügel entsprach dem hohen Werthe, den der Generalissimus auf die unbedingte Sicherung der Communicationen nach Mähren und Böhmen legte, sowie der Voraussetzung, dass Napoleon den zweiten Übergang auf derselben Stelle versuchen würde, wie jenen vom 21. Mai. Vormarsch der k. k. Armee an die Donau. Napoleon war seit der Schlacht bei Asparn unablässig bemüht, seine Armee durch Iiei’anziehung der detachirten oder selbständig operirenden Heeresabtheilungen zu verstärken und die Lobau zu einem Waffenplatze von solcher Stärke zu machen, dass sie einen sicheren Stützpunkt für den beabsichtigten Übergang gewähre. Der Übergang war für den 4. Juli festgesetzt und die Versammlungs-Märsche der einzelnen Corps waren mit solcher Genauigkeit angeordnet, dass die betreffenden Special-Operationen derselben bis zum letzten Augenblicke fortgesetzt werden konnten; jeder Corps-Com- mandant war in vollständiger Kenntniss der Pläne des Kaisers. So schrieb Napoleon am 30. Juni Nachmittags an Marschall Davoust, indem er ihm die Wognahme des Brückenkopfes von Pressburg auftrug: „Je n’ai pas besoin de vous dire que vous pouvez rester le 1er, le 2 et le 3 pour vos opérations; vous savez que inon armée ne sera réunie que le 5.“ (Correspondance de Napoléon Ier 15.475.) Die ausserordentliche Regsamkeit, welche der Gegner entwickelte, und die hiedurch bedingten, sehr häufigen alarmirenden Berichte der Observatorien im Marchfelde waren Ursache, dass die k. k. Armee nur wenig Ruhe genoss und die lange Zeit ihres Zuwartens in fast fortwährender Kampfbereitschaft verbrachte. Am 30. Juni schien der Feind ernste Anstalten zu einem Übergange zu treffen. Um 6'/2 Uhr Abends übersetzten ungefähr 800 Mann an vier verschiedenen Punkten den Stadler Arm in der Nähe der ersten Übergangsstelle, nachdem vorher die Vortruppen des FML. v. Hiller durch ein mörderisches Kartätschenfeuer aus 36 Geschützen zum Weichen gebracht worden waren. Der Gegner beschränkte sich auf die Besetzung der Esslinger Auen, unter deren Schutze er eine Brücke nach dem alten Brückenköpfe begann und nach und nach 6000 Mann