Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

50 Wagram. Wie aus dem Operations-Journale der Hauptarmee vom 25. Mai bis 0. Juli zu entnehmen ist, war denn auch die Armeeleitung von allen Bewegungen und Arbeiten des Feindes durch continuirlichen Rapport in ausreichender Weise unterrichtet. Allgemeine Directive n bezüglich oines feindlichen Angriffes. Die auf diesem Wege eingezogenen Nachrichten Hessen einen neuerlichen Übergangsversuch der Franzosen als so wahrscheinlich erscheinen, dass sich der Erzherzog Generalissimus veranlasst sah, in einer allgemeinen Disposition ddo. 5. Juni den Truppen die nöthigen Verhaltungsvorschriften für diese Eventualität an die Hand zu geben. Der Inhalt dieser Disposition ist ausserordentlich lehrreich und interes­sant; der Generalissimus entwickelt hier seine persönlichen Ansichten über die möglichen Übergangsversuche der Franzosen und fasst sie in jenen Grundzügen zusammen, die bis zum letzten Augenblicke sowohl für die Stellung der Armee, als auch theilweise für die Leitung der Schlacht am 5. und 6. Juli massgebend geblieben sind. „Aus der Lage, den einlaufenden Nachrichten und allen Anstalten des Feindes zu urtheilen, führt derselbe einen abermaligen Übergang über die Donau im Schilde, sobald er die hiezu noch erwarteten Kräfte gesammelt haben wird. Einige falsche und zwei wahre Über­gänge wird ihm die Vorsicht zu unternehmen gebieten. Es handelt sich vorzüglich darum, diese von den aufgestellten Observations- Objecten und aus sonstigen Daten zu unterscheiden. „Ich empfehle den an der Donau aufgestellten Herren Generalen und sonstigen Commandanten zwar schleunige, aber keine übereilten Rapporte zu erstatten, sich so viel möglich durch eigene Besichtigung zu überzeugen und die Dinge nicht grösser, aber auch nicht kleiner anzugeben, als sie wirklich sind, denn hiedurch könnte die Armee zu falschen Bewegungen verleitet und der glückliche Erfolg unserer Waffen vereitelt, ich aber in die Noth Wendigkeit versetzt werden, die Schuldtragenden Verdientermassen zu opfern. „Das erste Erforderniss des Überganges über jeden, zumal einen so breiten Strom, wie die Donau, ist eine durch einen Töte de pont gesicherte Brücke. Diese besitzt der Feind über die Hauptarme gegenüber von Kaiser-Ebersdorf über die Lobau noch immer. „So unklug es wäre, diesen grossen Vortheil nicht zu benützen, eben so unklug scheint es auch, wenn der Feind aus dem einsprin­genden Winkel gerade gegen die Front der Befestigungen von Ess­lingen, Enzersdorf und Asparn debouchiren wollte. Er wird suchen, durch verschiedene Übergänge ober- und unterhalb, die Flanke dieser befestigten Linie zu umgehen, so ihre Besatzung zum Rückzug zu vermögen und sich Stützpunkte zu verschaffen, zwischen welchen er

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