Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809
Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 45 „3. Der Vortheil, eher zu schlagen, als die Vereinigung der französischen, deutschen und italienischen Armee erzielt sein kann.“ „Was den ersten Punkt anbelangt, so konnte der Sieg nicht benützt werden, da die feste Stellung des Feindes jede Verfolgung unmöglich machte; auch konnte die Donau nicht wohl übersetzt werden, so lange der Feind diesseits des Hauptstromes in der Lobau einen beträchtlichen Theil seiner Armee unterhält; auch dermal steht die Brücke in die Lobau noch und Napoleon lagert in der Nähe derselben in beträchtlicher Stärke, vorzüglich an Cavallerie und Artillerie, ferners ist das ganze Donau-Ufer von Pressburg bis Krems gegen uns; nur diese beiden Punkte, wiewohl in Defiléen gelegen, bieten einige Vortlieile zum Übergange dar. Jener von Pressburg ist vorzuziehen, weil wir schon einen Fuss jenseits des Flusses haben, dem Erzherzog Johann und der Insurrection die Hand geben, die Ebene und vortheilhafte Stellungen gewinnen, zwei Brücken schlagen können und eine Schiffbrücke wirklich besitzen, und, falls der Feind aus der Lobau in das Marchfeld vordi’änge, unseren Rücken bei dem Übergänge über die Donau durch die March sichern können. Allein die Anlage und der Bau des tété de pont bei Pressburg sind äusserst fehlerhaft; das Debouchiren muss durch ein doppeltes, ja dreifaches Defile, nämlich durch die Stadt, durch die Au und durch den Ausguss der Donau, den das grosse Wasser machte, geschehen. Über diesen Ausguss und in den Auen sind mehrere Communicationen erforderlich und Engerau muss durch Redouten gesichert, vorzüglich aber der zerrissene Donaudamm unumgänglich hergestellt werden. Auf der Insel Petschen muss eine Redoute angelegt werden. „Diese Arbeiten erfordern einen beträchtlichen Zeitaufwand, sie können der Aufmerksamkeit des Feindes nicht entgehen, und da die Armee nur langsam so viele Defiléen zu passiren im Stande ist, so kann der Feind mit seiner Gesammtmackt die übergesetzten Theile mit Übermacht vor der Ausbreitung des Ganzen bekämpfen. „Die Wahrscheinlichkeit des Sieges ist daher nicht auf unserer Seite; statt unseren Sieg zu benützen, laufen wir Gefahr, ihn zu verlieren, es sei denn, wir können voraussetzen, dass wir es mit einem Gegner zu thun haben, der sich durch Scheinmärsche und Scheinanstalten leicht irre führen lässt. „Was den zweiten Punkt betrifft, so zeigte Erzherzog Johann dem Kaiser an, dass er nur 8000 Mann besitze, am 24. zu Graz eingelangt sei, allwo der Feind am 27. eintreffen könne und er sich nach Ungarn zurückziehen werde. Erzherzog Johann besitzt daher im eigentlichen Sinne keine Armee mehr, und die Insurrection, durch die er sich verstärken will, ist ein blosses Phantom. — Erzherzog Johann ist daher als ein Detachement zu betrachten, und es wäre im Gegentheil zu wünschen, dass der Feind gegen ein Detachement,