Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs-Archive: Wagram, Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809

Novelle zur Geschichte des Krieges von 1809. 43 gewendet, war das Kriegsglück Napoleon untreu geworden. Nicht allein in Österreich, sondern überall, wohin die Kunde von dem Siege der kaiserlichen Fahnen drang, knüpfte man die kühnsten, überschwänglichsten Voraussetzungen an dieses so glückliche Er­eigniss, welches man vielfach überschätzte; anderseits fühlte man jedoch, bewusst oder instinctiv, dass die Macht des Gegners wohl gebeugt, aber noch lange nicht gebrochen sei und der entscheidende Schlag nun erst folgen müsse. Als dies aber nicht geschah, als diese Voraussetzungen unerfüllt blieben und statt der vielfach erwarteten Offensive über die Donau, die kaiserliche Armee wochenlange regungs­los auf dem Marchfelde verharrte, da war die öffentliche Meinung nicht minder rasch mit ihrem Urtheile zur Hand und schwang schonungslos, aber nicht ebenso berechtigt die Geissei der Kritik. Heute, nach 70 Jahren, sind die Ansichten noch immer getheilt, und besonders über die Motive, welche die Haltung der k. k. Haupt­armee nach dem 22. Mai 1809 leiteten, durchaus nicht geklärt. Thatsächlich waren unmittelbar nach der Schlacht sowohl Kaiser Franz als auch Erzherzog Carl fest entschlossen, die errungenen Vor­theile kräftigst auszunützen. Am 25. Mai schrieb der Generalissimus an Erzherzog Johann „Nach der Schlacht bei Asparn kann ich mit mehr Zuversicht glück­lichen Resultaten entgegensehen, um die Hauptarmee des Feindes, wo nicht nächstens durch eine neue Schlacht und den Übergang über die Donau aus dem Felde zu schlagen, doch wenigstens so zu fesseln, dass er Euer Liebden nicht entgegenwirken kann ..............“ „E s ist von der äussersten Wichtigkeit, dass Euer Liebden die Annäherung der italienischen Armee gegen die deutsche des Feindes mit Aufbietung aller ihrer Kräfte verhindern...........“ „Ich werde meinestheils Alles aufbieten, die Armee Napoleons so zu beschäftigen, dass sie nicht zu beträchtliche Detachirungen wagen darf, und wo möglich die Donau selbst zu übersetzen und ihm eine neue Schlacht zu geben, durch welche ich die Verbindung mit Euer Liebden durch Niederösterreich eröffnen werde.“ Wenige Tage später richtet Erzherzog Carl an Kaiser Franz die Bitte: „Da die offensiven Operationen, die er vorzunehmen ge­sonnen sei, es nothwendig machen, nach Beschaffenheit der Umstände und der Bewegungen, die ihm der Feind entgegen stellt, schleunigst bei Pressburg debouchiren zu können, — dem Pressburger Comitate die schleunige Herstellung des Engerauer Dammes aufzutragen“ „endlich, sowie die offensiven Operationen beginnen, dem Erzherzog Pala­tínus zu befehlen, nach der Weisung des Generalissimus zu verfahren.“ In derselben Weise äussert sich Kaiser Franz in einem Hand­schreiben an den Palatin, ddo. Wölkersdorf, 23. Mai: „Die Haupt­armee unter dem Erzherzog Generalissimus, welche durch die glück­

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