Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Friedrich Spigl, Hauptmann im k. k. Kriegs-Archive: Repressalien-Gefechte an der croatisch-türkischen Grenze in der Zeit von 1809 bis 1845

40 Repressalien-Gefechte an der croatisch-türkischen Grenze. der Cordon-Obercommandant FML, Dahlen die westlichen 6 Grenz- Regimenter an den Cordon rücken, während der Landes-Comman- dirende von Croatien, G. d. C. Graf Auersperg, den Statthalter von Bosnien veranlasste, auch seinerseits zur Beilegung des Conflictes Massregeln zu ergreifen. Der Vezier entsandte den Mustai Pascha Babic von Banjaluka mit dem Defterdár von Bosnien Achmedbeg Vilié nach Bihaé. Diese begaben sich am 19. Juli mit mehreren Muteselim, Cadiä und anderen Anführern der bewaffneten Haufen auf den Otoöaner Contumaz-Posten Valiselo und schlossen da mit FML. Dahlen einen Sened ab. In diesem Sened gelobten sie bedingungslosen Abzug aller an­gesammelten Türken und baten um Zurückziehung der vorgerückten Grenzer; sie versprachen Ruhe und friedliches Verhalten, sowie bei vorkommenden Streitfällen jede schuldige Genugthuung. Nach dieser Übereinkunft zogen am 20. sämmtliche Türkenhaufen von den Grenzen ab; die Grenzer traten ihren Rückmarsch am 21. Juli an *). — Es ist im Namen der Civilisation tief zu beklagen, dass die Türken gerade jenen Theil Europa’s dauernd beherrschen konnten} welcher vermöge seiner klimatischen und Bodenbeschaffenlieit, vermöge der günstigen Configuration seiner Küsten und der geographischen Lage am Verkehrsknoten des grossen Continentes berufen schien, der Mittelpunkt der hohen Cultur und des regen geistigen Lebens zu bleiben. Die Grausamkeit der Türken und die rücksichtslose Beraubung der von ihnen unterjochten Völker hatten zur Folge, dass auch diese immer mehr verwilderten und so die einst so blühenden Länder, je weiter desto mehr, der Verwüstung anheimfielen. Welche Anklagen die Geschichte gegen einzelne Culturstaaten darüber auch erheben mag, Österreich kann mit Genugthuung auf die Opfer zurückblicken, die es zur Abwehr der Barbarei, sowie zur Be­freiung der unterjochten Völker gebracht hat. Zweimal während des langwierigen Kampfes sah es den grim­migen Feind vor den Mauern seiner Hauptstadt; es hat alle seine Wehrkräfte und Staatsmittel zu dessen Bekämpfung aufgeboten. Österreichs endlicher Sieg frommte zugleich dem ganzen Abendlande, und seine musterhafte Militär-Grenzanstalt schützte ebenso das eigene Reich gegen weitere Gefahren, als sie für Europa den Zweck eines verlässlichen Sanitäts-Cordons erfüllte. Heute aber übernimmt es die hohe Mission, einen grossen Theil dieser Länder durch deren Occupation der Cultur, der Gesittung und dem Wohlstände wieder zuzuführen. Friedrich Spigl, Hauptmann im k. k. Kriegs-Archiv. ') Präsidial-Registratur des Reichs-Kriegsrainisteriums und Kriegs-Arcliiv.

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