Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

314 Der Krieg mit der Pforte 1736—39. aus 500 Pferden bestehenden Vorhut ohne jede Vorsichtsmassregel geradewegs bis an die Contre-Escarpe vor, wurde von den Türken umzingelt und verlor 4 Officiere, 224 Mann und 171 Pferde. Obwohl sich der Gegner bei Anrücken der Haupttruppe in die Festung zurückzog, so wirkte doch die, trotz Allem unerwartete Activität desselben so nachhaltig auf die Entschlüsse Khevenhüller’s, dass er auch in den übrigen Verhältnissen keine Bürgschaft für den Erfolg mehr erblicken konnte. In seinem Berichte an Seckendorf vom 19. gab er dieser Besorgniss lebhaften Ausdruck, und zeigte an, dass er wegen Mangels genügender Faschinen, die tief im Lande erzeugt und erst weit hergeführt werden mussten, es nicht räthlich gehalten habe, sich der Festung zu nähern; er werde sein Lager nach Rakovica an der Timok - Mündung verlegen, da die Miasmen der Cadaver des massenhaft fallenden Viehes den weiteren Aufenthalt bei Bregova unmöglich machten. Schliesslich rieth Khevenhüller, wegen bedeutender Verstärkung der Besatzung und Abganges des nothwendigen Belage- rungs-Materiales, von jeder weiteren Unternehmung gegen Widdin ab. Diese Nachrichten wirkten äusserst deprimirend im Hauptquartiere. Feldmarschall Seckendorf hatte in der Absicht, allmälig die ganze Armee an die Donau zu verlegen, bereits alle Cavallerie bis auf 5 Regimenter, ferner 20 Grenadier-Compagnien und 12 Bataillone als Verstärkung dem Feldmarschall Khevenhüller nachgesendet, so dass sich ein sehr bedeutender Theil der Hauptarmee entweder vor Widdin oder auf dem Marsche dahin befand. Gleichwohl überwog der Eindruck der Berichte Khevenhüller’s, der noch dadurch erhöht wurde, dass sicherem Vernehmen nach türkische Truppen in die Walachei eingerückt waren und man daher darauf denken musste, das ohnehin durch Krankheiten decimirte Corps des FZM. Wallis zum Schutze der siebenbürgischen Grenze zu verwenden. Der Gedanke, Widdin zu belagern, wurde definitiv fallen gelassen und von Seite Seckendorfs nur noch die Eventualität in Aussicht genommen, die Festung vor dem Abzüge der kaiserlichen Truppen zu bombardiren und die Vorräthe in Brand zu stecken. Von den hierüber zu Rathe gezogenen Feldmarschall Philippi und FZM. Schmettau rieth Ersterer, von jeder Operation gegen Widdin Umgang zu nehmen, dagegen sich gegen Zwornik zu wenden, den Prinzen Hildburghausen mit 8000 Mann zu verstärken und die Cavallerie zur Sicherung Siebenbürgens und besseren Substistenz auf das linke Donau-Ufer zu verlegen. FZM. Schmettau machte sein Votum von einer genaueren Recognoscirung Widdins abhängig; da er jedoch auf dem Wege dahin erkrankte, so begab sich Feldmarschall Seckendorf am 27. August mit mehreren Generalen an die Timok-Mündung, um sich persönlich von dem Stande der Dinge zu überzeugen.

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