Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737
308 Der Krieg mit der Pforte 1736—39. Stellung zu nehmen, bis die Verbindung mit der Hauptarmee hergestellt werden könne, worauf das siebenbürgische Corps mit Rück- lassung der unumgänglich nothwendigen Besatzungen nach Widdin gezogen werden würde. In Folge dieses Auftrages marschirte FZM. Wallis mit 3 Bataillonen, 1 Kürassier-Regiment, 6 Escadronen Dragoner und Huszárén, dann der gesammten Artillerie von Krajova ab und traf am 16. August zu Vadudil ein. Am 8. August standen in der österreichischen Walachei (mit Ausschluss des in der türkischen stehenden Ghilany’schen Corps) 1581 Mann Infanterie, 1182 Reiter, 245 raizische National-Milizen. Summa 3008 Mann, 1453 Pferde. C. Schlussoperationen. a) Der Hauptarmee. Die Unternehmung gegen Widdin. Die Besitzergreifung von Nissa bezeichnet den Wendepunkt in den Operationen der kaiserlichen Truppen während des Feldzuges vom Jahre 1737. Vom Beginne an ausgesprochen offensiven Tendenzen folgend, die auch trotz des gänzlich unvermittelten Abspringens von der festgesetzten Operations - Richtung zu einem wichtigen Erfolge führen, btisst die kaiserliche Armee in Folge einer längeren Untliätig- keit jede Initiative ein und wird in eine höchst nachtheilige Defensive gedrängt. Obwohl nach den gegebenen Verhältnissen die Entscheidung keine schwierige sein konnte, war es auch jetzt, so wie zu Anfang des Feldzuges, die Wahl des nächsten Operations-Objectes, die ver- hängnissvoll auf den Gang des Ganzen einwirkte. Für die politischen Zwecke des Kaisers blieb nach wie vor Bosnien um so mehr das nächste Ziel des Krieges, als man sich nach den Unfällen der kaiserlichen Waffen am Vrbas und in Türkiscli- Croatien auch in Wien nicht länger der Überzeugung verschliessen konnte, die Eroberung und Besetzung dieser Provinz mit ungenügenden Mitteln unternommen zu haben, und dass sich derselben „weit mehrere Beschwerlichkeiten entgegen stellten, als man anfänglich habe vermuthen und sicherstellen können“. Bevor die Nachricht von dem Unfälle bei Banjaluka nach Wien gelangt war, stellte es der Hofkriegsratli Seckendorf wohl frei, sich nach Umständen zur Unterstützung des Prinzen Hildburghausen gegen Bosnien oder zur Eroberung Widdins an die Donau zu wenden, fügte jedoch ausdrücklich bei, „dass alle anderen Entreprisen, auch die Eroberung von Widdin selbst, nit abwenden noch ersetzen könnten