Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737
302 Der Krieg mit der Pforte 1736—39. der materielle Verlust war die Thatsache nachtheilig, dass nunmehr Banjaluka in offener Verbindung mit einem türkischen Entsatz-Corps stand und eine Fortsetzung der Belagerung unter solchen Verhältnissen unmöglich wurde. Die neue Situation forderte eine vollständige Einschliessung des Platzes auf beiden Ufern, mithin eine Theilung des Corps in zwei Theile, deren jeder genügend stark hätte sein müssen, um einerseits die Belagerung mit voller Energie fortzusetzen, anderseits aber alle Entsatzversuche definitiv abzuweisen. Solchen Anforderungen zu genügen, war das kaiserliche Corps zu schwach. FZM. Prinz Hildburghausen berief daher noch am Abende des 4. den Kriegsrath und legte ihm die Frage zur Entscheidung vor: ob man mit dem ganzen Corps den Fluss übersetzen und den Feind angreifen — oder die Belagerung aufheben solle. Die Beisitzer erklärten sich einstimmig für letzteres, da unter den obwaltenden Verhältnissen keine Aussicht auf Erfolg sei, der Gegner aber durch einen Angriff selbst im günstigsten Falle nur in das Gebirge zurückgetrieben werden würde, wohin man ihm nicht folgen könne. Es wurde somit der Abmarsch angeordnet. Bei Einbruch der Nacht ging das Detachement des General-Major Baranyay über den Vrbas; die Pontonbrücke wurde abgebrochen und die Pontons versenkt, da es an Bespannung fehlte, sie fortzuschaffen. Die schwere Artillerie und der Train gingen im Laufe der Nacht ab; am Morgen des 5. August folgte das Corps und marschirte auf demselben Wege wie bei der Vorrückung bis Mrasic, wo es vom 9. bis 11. stehen blieb, um den eventuell nachfolgenden Feind zu erwarten, worauf es am 13. die Save bei Gradiska überschritt. Die Türken hatten den Abmarsch des Corps am Morgen des 5. bemerkt, aber vergebens versucht, denselben zu stören, da ihnen die kaiserlichen Truppen stets drohend die Zähne wiesen. Einen Versuch, ihnen durch Umgehung dos Defile’s von Klasnice den Rückzug an die Save abzuschneiden, bezahlten sie mit dem Verluste von mehr als 500 Mann, worauf sie sich gänzlich zurückzogen. Marsch des FZM. Prinzen Hildburghausen nach Sabac. Die unmittelbaren Folgen der misslungenen Operation am Vrbas machten sich nun rasch bemerkbar; der westliche Theil des bosnischen Kriegstheaters wurde allerdings ziemlich wenig hievon berührt; in den Verhältnissen der dort befindlichen Truppen änderte sich nichts; nur für die croatischen Banderien waren die übertriebenen Schilderungen einiger feldflüchtiger Marodeure des Hildburghausen’- schen Corps Gründe genug, um auseinander zu laufen, während der Banus dadurch veranlasst wurde, die bisher einzige Äusserung seiner Thätigkeit: die Blockade von Buzim aufzuheben.