Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

300 Der Krieg mit der Pforte 1736—39. Bis zur Ankunft des neuen Commandanten und dem Heran­kommen des Corps sollte Baranyay den Übergang über den Yrbas sichern und zu diesem Zwecke, nach persönlicher Anordnung des Prinzen Hildburghausen, seine Infanterie in ein rückwärts offenes Carré am Eingänge der Brücke formiren, die Reiterei aber zwischen dieser und dem Carré aufstellen. General-Major Baranyay benützte jedoch die momentane Ent­fernung des Prinzen, um von dem erhaltenen Aufträge insofern abzu­gehen, als er die ganze Infanterie in die Front und rechte Flanke des Carré’s stellte, während er die Reiterei, statt sie hinter demselben in Reserve zu halten, die linke Flanke formiren Hess, die seiner Ansicht nach am wenigsten gefährdet war. Diese willkürliche Änderung einer wohldurchdachten und auf Nachrichten, die nur der Obercommandant haben konnte, basirten Disposition sollte die traurigsten Folgen nach sich ziehen. Allerdings waren beim ersten Angriffe des Gegners Front und rechte Flanke am meisten, die linke fast gar nicht bedroht gewesen; mittlerweile aber hatte auch die zweite, aus Reiterei bestehende, türkische Colonne die Umgehung des Jllasko-brdo vollendet und warf sich nun mit Ungestüm auf die linke Flanke der kaiserlichen Truppen, welche gleichzeitig auch durch einen neuen Angriff in der Front fest­gehalten wurden; die ausserhalb des Carré’s als Vorposten aufgestellten raizischen Huszárén ergriffen die Flucht; das zunächst stehende Huszaren-Regiment Károly Hess den Feind bis auf 20 Schritt heran­kommen, gab eine Decharge ab, verhess aber dann ohne weiteren Kampf seine Stellung und zog sich in den Innenraum des Carré’s. Die Carabiniers und die Grenadiere zu Pferd, welche dort postirt waren, wendeten sich allerdings mannhaft gegen den heftig nachdringenden Feind, geriethen aber bei dem unbeschreiblichen Getümmel, wo Freund und Feind kaum zu unterscheiden war, in gänzliche Verwirrung und überritten zuletzt, von den leicht beweglichen türkischen Reitern gedrängt, die eigene Infanterie der rechten Flanke. Ein Theil derselben, mit ihm General-Major Baranyay selbst und der Commandant der Carabiniere und der Grenadiere zu Pferd, Oberstlieutenant Graf Lamb erg, wurde in den Fluss gedrängt; die Reiter versuchten den Vrbas zu durchschwimmen, wobei viele den Tod fanden. Der Rest der Infanterie der rechten Flanke drängte der Ponton­brücke zu und hatten bereits 5 Bataillone das linke Ufer erreicht. Es war vorauszusehen, dass nur ein geringer Theil der am rechten Huszárén zu Generals avancirenden Subjecta nicht mit der deutschen Generalität im Dienst zu vergleichen wären, noch Brigaden commandiren könnten, da sie nicht genug Erfahrung und Übung dazu hätten, sondern sie wären blos mit den Huszárén, desgleichen auf Eecognoscirung, Fouragirung, Bedeckung u. dgl. Verrichtungen zu commandiren“.

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