Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Friedrich Spigl, Hauptmann im k. k. Kriegs-Archive: Repressalien-Gefechte an der croatisch-türkischen Grenze in der Zeit von 1809 bis 1845
in der Zeit von 1809 bis 1845. 25 schaarenweise nieder. Geworfen und zum Rückzuge gezwungen, sammelten sich diese jenseits des Flusses wieder und schritten mit gesteigerter Wuth zur Wiederholung des Angriffes. Aber die Grenzer bewahrten den ganzen Tag ihre besonnene und unerschütterliche Haltung. Abermals erlagen zahlreiche Feinde ihren aus unmittelbarer Nähe abgegebenen Gewehrsalven, oder, wo es den Türken gelang, das diesseitige Ufer zu erreichen, den entschlossenen Bajonnetangriffen derselben. Überall und immer wurden die Türken wieder zurückgedrängt und gezwungen, mit schweren Verlusten über den Fluss zu weichen. Sechs Stunden dauerte der Kampf, in welchem die Türken in fast sechsfacher Überlegenheit den Grenzern gegenüberstanden, mit ganz unverhältnissmässigen Verlusten auf Seite der ersteren. Im Verlaufe des ganzen Gefechtes reichten, mit einer einzigen Ausnahme, die in der ersten Linie an der Korana postirten Oguliner aus, alle Angriffe der Türken siegreich abzuweisen. In dem einzigen Ausnahmsfalle drängten plötzlich mehrere weit überlegene Haufen die gegenüberstehende schwache Abtheilung vom Ufer ab, fassten auf diesseitigem Gebiete festen Fuss und begannen in bedenklichem Maasse Terrain zu gewinnen. Allein Oberst Baron Trebersburg eilte mit einer en reserve aufgestellten Oguliner Compagnie und einer 3pfündigen Kanone herbei und nahm die Türken in der Flanke. Einige gut angebrachte Kartätschenschüsse und Gewehrsalven setzten ihrem weiteren Vordringen ein Ziel und ein entschlossener Bajonnetangriff trieb sie über den Fluss zurück. Durch die bedeutenden Verluste entmuthigt, begannen die Türken, schon gegen 6 Uhr, sich von ihren Schwärmen abzulösen und einzeln die Wälder zu gewinnen. Andere hielten noch Stand und kämpften mit verzweifeltem Trotze bis gegen Sonnenuntergang, wo endlich auch die Starrsinnigsten, von der Fruchtlosigkeit ihrer Anstrengungen überzeugt, den Kampfplatz verhessen und sich erschöpft zurückzogen. Viele Leichen bedeckten das Feld oder schwammen im Flusse. Die Türken Hessen über 400 Todte und Schwerverwundete auf dem Platze. Unter ihren Todten befanden sich 10 vornehme Anführer. Die Grenzer hatten 8 Todte und 24 Verwundete. Die vortheilhafte Stellung und deren kluge Verwerthung seitens dieser, sowie die tollkühne Offensive von Seite der Türken, machen das Missverhältnis der gegenseitigen Verluste erklärlich. Eine augenblickliche Verfolgung der Türken während ihrer Erschöpfung und Kampfunfähigkeit oder eine Züchtigung derselben auf ihrem Gebiete am folgenden Tage, musste wegen der herrschenden Pestgefahr und der eben in Wirksamkeit getretenen dritten (äussersten) Contumaz-Periode unterbleiben.