Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)

Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - II. Der Feldzug von 1737

294 Der Krieg mit der Worte 1736—39. Feldmarschall Seckendorf erhielt diese Nachricht am 2ti. Morgens und erliess sofort die Befehle, dass die in Cupeljak zurückgebliebene Cavallerie unverzüglich aufzubrechen und zugleich mit der inzwischen bis Alexinac gelangten Infanterie, unfehlbar am 28. in die Stellung vor Nissa einzurücken habe. Die Truppen bewältigten diese ausserordentliche Anforderung innerhalb der bestimmten Frist, aber mit einer ganz unverhältniss- mässigen Einbusse an Schlagfähigkeit '). Am 28. Juli, Nachmittags 5 Uhr, waren die Bedingungen erfüllt, welche der Capitulation vorangehen mussten; um diese Stunde über­reichte eine Deputation dem Herzoge von Lothringen die Schüssel der Stadt und der Magazine, und unmittelbar darauf besetzte FML. Thüngen mit 600 Grenadieren die Thore der Festung, zu deren Commandanten Seckendorf den FML. Leutrum ernannte. An traktatmässig zurückgelassenem Kriegsmaterial fanden sich vor: 134 Geschütze verschiedenen Kalibers, meist aber unbrauchbar; 10 Mörser, über 20.000 Projectile und 1711 Centner halbverdorbenes Pulver. Unmittelbar nach der Übergabe hatte der Auszug der Besatzung und der übrigen Einwohner begonnen; bis 3. August Abends hatten über 2000 Menschen ihren bisherigen Wohnsitz verlassen. Als Besatzung der Festung bestimmte Feldmarschall Seckendorf I Bataillon Infanterie; bei eventuellem Abmarsche der Armee sollte die Garnison durch Beconvalescenten verstärkt, das Weitere aber erst bei Ankunft der sächsischen und wolfenbüttel’schen Truppen verfügt werden. B. Ereignisse in Bosnien und in der Walachei. a) Bosnien. Weniger günstig als in Serbien, wo die Vorrückung im Morava- Tliale mit der kampflosen Einnahme von Nissa schloss, begannen und verliefen die Operationen in Bosnien. Dort sollte, wie schon erwähnt, jede der vier Colonncn, in welche die unter den Befehlen dos Prinzen llildburghausen stehenden Truppen zertheilt waren, gleichzeitig mit der Hauptarmee, also am 12. Juli, die Grenze überschreiten und von dort aus ihre combinirten Operationen beginnen. Verschiedene Zufälle, die sich aber durchaus *) *) Die grösste Entfernung, welche die Truppen unter den ungünstigsten Ver­hältnissen zurückzulegen hatten, betrug mindestens 10 Meilen. Hitze, Mangel an Wasser und Lebensmitteln, sowie die Überwindung der Bodenschwierigkeiten ver­ursachten grosse Verluste. Nach „Sclimettau“, I., S. 29, sollen manche Regimenter nicht mehr als 60 Mann stark vor Nissa angelangt und mehrere Tage noting gewesen sein, um die vielen Marschunfähigen nachzubringen. Mögen diese Angaben vielleicht übertreiben, so ist es doch Thatsaclie, dass die ganz ungerechtfertigte Überanstren­gung der Truppen später einen der Hauptanklagepunkte gegen Seckendorf bildete.

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