Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1881)
Moriz v. Angeli, Major im k. k. Kriegs Archive: Der Krieg mit der Pforte 1736 bis 1739 - I. Die Ereignisse im Jahre 1736
I. Die Ereignisse im Jahre 1736. 261 um so grösserer Thätigkeit anspornte. Der Kaiser persönlich drang mit grösster Entschiedenheit auf die rasche Concentrirung der Armee in Ungarn, damit man den Krieg noch in diesem Jahre beginnen könne, bevor die Türkei hinlänglich gerüstet sei; — auf diese Art könnte man die Winterquartiere in Feindesland beziehen, die nächstjährigen Operationen erleichtern und hauptsächlich sich für den Fall sichern, als Russland etwa schon im Verlaufe des Winters 1736—37 einen Separatfrieden schliessen wollte, ohne die Interessen Österreichs zu berücksichtigen. Die Anordnungen, welche in dieser Hinsicht nothwendig waren, umfassten nicht nur alle die zahlreichen Agenden, die sich auf die Beschaffung der Kriegsmittel überhaupt bezogen und schon seit Beginn des Jahres eingeleitet worden waren, sondern es handelte sich in erster Linie um die in verhältnissmässig kurzer Frist zu bewirkende Verlegung eines grossen Theiles der Armee aus Italien nach Ungarn. Bisher hatten die oben so verwickelten als weitwendig geführten diplomatischen Verhandlungen mit Frankreich und Spanien, vornehmlich aber jene mit Russland jeden entscheidenden Schritt in dieser Hinsicht verboten; als sich aber diese Verhältnisse allmälig klärten und hauptsächlich für das Zusammengehen mit letzterem ein nur halbwegs fester Boden gefunden oder doch in Aussicht war, wurden ohne Säumen alle Anordnungen getroffen, welche den Kaiser in den Stand setzen konnten, den übernommenen Verpflichtungen gegenüber Russland und den Interessen des eigenen Landes gerecht zu werden. Am 18. Juli erging der Befehl nach St. Antonio (bei Piacenza), dem Hauptquartiere des Commandanten der Armee in Italien, FZM. Grafen Khevenhiller, unverzüglich zehn Infanterie- und sechs Cavallerie- Regimenter derart nach Ungarn 'in Marsch zu setzen, dass sie dort Mitte September verfügbar seien. Zur möglichsten Beschleunigung wurde gleichzeitig angeordnet, dass sieben Infanterie- und zwei Cavallerie-Regimenter am Po sich zu sammeln und den Marsch durch Tirol nach Hall anzutreten hatten, von wo sie auf dem Inn und der Donau mittelst Schiffen und Flössen nach Ungarn transportirt werden sollten. Vier Cavallerie-Regimenter nahmen den Weg durch das venezianische Gebiet über Krain und Croatien nach Ungarn, während drei Infanterie-Regimenter in Chioggia, wohin der Ober-Commandant der kaiserlichen Marine, GFW. Graf Pallavicini, die nöthigen Schiffe zu bringen hatte, nach Fiume eingeschifft werden sollten, von wo aus sie zu Lande die Save, Drau und Mur zu erreichen hatten, um auf diesen Flüssen an den Ort ihrer Bestimmung zu gelangen. Der Verlauf der Kriegs Vorbereitungen liess jedoch bald die Wahrnehmung machen, dass die Ausführung der ergangenen Verordnungen auch bedeutende Frictionen zu überwinden haben werde. Zuerst machte die Unbotmässigkeit und der üble Wille der einzelnen Land-