Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs - Österreichs Kriege seit 1495 (1878)

Schlussbetrachtung und statistische Übersicht der Kämpfe Österreichs

193 Schlussbetraehtung und statistische Übersicht der Kämpfe Österreichs. 1866 jeue Lande mit den gesittetsten Völkern Europa’s, um derent­willen Österreich Jahrhunderte hindurch die schwersten Opfer ge­bracht hatte. — Mit den im „Chronologischen Verzeichniss“ angeführten Kriegs­ereignissen ist die Zahl der wirklich vorgefallonen Affairen keineswegs erschöpft und abgeschlossen. Es erübrigt noch immer eine stattliche Reihe von Actionen, die aber theils wegen ihrer geringen Bedeutung, theils wegen Mangel an genauen Angaben oder wegen nicht nachzu­weisendem Ausgange hier nicht Aufnahme finden konnten. Viele der­selben wurden von einzelnen abgesonderten Parteien geführt, oder sie standen mit grösseren Affairen in gewissem Zusammenhänge, wenn auch auf weiteren Entfernungen von dem eigentlichen Haupt-Corps. Andere wieder waren von keinem Einfluss auf den Gang der Ereignisse und mit keinen oder so geringen Verlusten verbunden, dass sie über­gangen werden können. So hatten beispielsweise im Feldzuge 1794 vom 6. Jänner bis 26. März, also in einem Zeiträume von 80 Tagen nicht weniger als 45 Gefechte, Scharmützel und Unternehmungen auf der Linie von der Mosel bis an’s Meer sich ereignet. Wie unbedeutend an sich selbst diese Vorfälle waren, kann man daraus schliessen, dass die Alliirten in diesen 45 Gefechten nur 33 Todte, 136 Verwundete, 46 Vermisste und 45 Pferde einbüssten. Der Verlust des Feindes ist nicht bekannt. An Gefangenen wurden demselben bei diesen Gelegen­heiten in Allem 100 Mann und 44 Pferde abgenommen. Die Zahl der nachzuweisenden Aetionon innerhalb des angedouteten Zeitraumes von 375 Jahren bleibt aber immerhin eine respectable, denn sie erreicht die Summe von 6839 vorschiedenon Affairen und Unternehmungen. Die Kriegsschauplätze, auf welchen die kaiserlichen Heere ent­weder allein oder mit ihren Verbündeten kämpften, erstreckten sich vom Centrum' des Kaiserstaates gerechnet, auf ungeheure Entfernungen, denn sie berührten drei Weltthoile 1). Im nördlichen Europa reichten die Züge dieser Heere noch weit über die Küsten der Ost- und Nordsoé, über Alsen, Voile und Horsens bis an die Nordspitze Jütlands, bis Aalborg; -— im Nord-Westen kämpften die Österreicher am Nieder­rhein, und Abtheilungen derselben hatten selbst schon das Weichbild der Stadt Amsterdam betreten, das sie auf Audringen der Einwohner gleich wieder verlassen mussten. Die Schrecknisse des Winterfeldzuges in Holland 1794—95 übertreffen weit die furchtbaren Strapazen und Leiden, welche die kaiserlichen Hilfstruppen im Feldzuge 1812 in den Sumpfebenen und Wildnissen Russisch-Polens zu erdulden hatten. In Kreuz- und Querzügen durchzogen die Truppen in diesem Feld­*) Siehe beiliegende Karte „Die territoriale Ausdehnung und die Intensität der Kämpfe Österreichs“, Tafel Nr. 4.

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