Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs - Österreichs Kriege seit 1495 (1878)

Schlussbetrachtung und statistische Übersicht der Kämpfe Österreichs

Schlussbetrachtung und statistische Übersicht der Kämpfe Österreichs. Die vorstehende Zusammenstellung trockener Daten und Zahlen fasst doch die kriegerische Vergangenheit Österreichs durch drei Jahr­hunderte in sich; dieselbe weist eine Reihe von ruhmvollen Kämpfen, von Tagen glänzender Siege und des Glückes, aber auch solche schweren Missgeschickes auf. Die Lage der österreichischen Monarchie bringt es mit sich, dass dieses Reich nur weniger Jahre der Ruhe und des Friedens sich erfreuen durfte. Seine centrale Lage im Herzen Europa’s ist in mehr als Einer Beziehung eine schwierige und keine so günstige, als jene anderer grossen Staaten, wie z. B. England, Frankreich oder Russland, die nur nach einer Grenze ihre Aufmerksamkeit zu wenden haben, da sie entweder vom Meere geschützt oder durch ungefährliche Nachbarn sichergestellt sind; der kaiserliche Doppelaar war vielmehr seit jeher genöthigt, nach allen Richtungen auf seiner Hut zu sein und die Bewegungen seiner Widersacher nach allen Seiten hin zu ver­folgen. Daher waren auch Doppelkriege für Österreich Jahrhunderte hindurch zur unabwendbaren Nothwendigkeit geworden. Befremden kann es darum keineswegs, wenn ihm das Glück der Waffen nicht auf beiden Seiten zufiel, und wenn das erstrebte Ziel nicht immer zu erreichen war. So kämpfte Österreich unter Carl V. (1521—1556) gleichzeitig gegen Frankreich und die Türken, — so im dreissig- jährigen Kriege gegen jenes (1629, 1630, 1635—1648) und die unga­rischen Lehensftirsten (1621—1650) im Osten Ungarns. Kaum hatte sich durch Herzog Carl von Lothringen und Prinz Eugen das Kriegsglück im Osten in entscheidender Weise den kaiser­lichen Waffen zugewendet (1682—1697), kaum war die Türkennoth beseitigt, so entbrannte der vierzehnjährige spanische Erbfolgekrieg (1701—1714), in welchem die kaiserlichen Armeen nach allen Welt­

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