Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)
Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv
46 Das Bildungswesen im österreichischen Heere von diesem Jahre an nicht mehr in den Staatsschulen, sondern ins- gesammt in den Instituten selbst den Unterricht zu erhalten hätten *). Der Lehrplan wurde abermals erweitert, und der betreffende Vortrag des Hof kriegsrathes enthält folgendes Indorsat: „In gleicher Weise hat der Hofkriegsrath für die Verfassung eines eigenen Lehrbuches für den Gebrauch der Erziehungshäuser zu sorgen, wobei die Tendenz hauptsächlich dahin gehen muss, ein auf das Fassungsvermögen der Knaben berechnetes, in einem leichten populären Styl geschriebenes Compendium anpassend gewählter Daten aus der vaterländischen Geschichte, von nachahmenswerthen Charakterzügen mit beispielvollen Kriegsthaten, endlich von sonstigen gemeinnützigen Kenntnissen, stets mit vorwaltender Beachtung des militärischen Bildungszweckes zu liefern. Wien, den 26. Jänner 1838. Ferdinand m. p. 2).“ Dieser nur in Kürze angedeutete kaiserliche Befehl zielt auf Verbesserung der Lehrmittel und auf die Sorge für die physische und moralische Entwickelung der Knaben ab. Gegen die Institution der Regiments-Erziehungshäuser wurden bereits zu Beginn unseres Jahrhunderts manche Bedenken erhoben, welche wiederholte eingehende Enqueten zur Folge hatten. Die bezüglichen Resultate sind sowohl für die Gegenwart, als für die Zukunft zu lehrreich, als dass sie mit Stillschweigen übergangen werden dürften. Schon 1802 gab FZM. Allvintzi „die bisherige zu frühzeitige Aufnahme der Knaben in die Militär-Erziehung, den damit verbundenen methodischen Zwang, anstrengende Beschäftigung und Abkürzung des Schlafes“ als Ursachen an, welche „auf die natürliche Entwickelung der physischen Kräfte den nachtheiligsten Einfluss haben“ 3). Hält man aber dem, jenen Umstand entgegen, welcher bei Errichtung der Erziehungshäuser zwingende Nothwendigkeit war, nämlich die Kinder so früh als möglich aus der Atmosphäre des Soldatenlebens zu bringen, so ergibt sich, dass die Schuld nicht an der Fehlerhaftigkeit der Anlage, sondern darin lag, dass Reformen nicht in der Zeit eintraten, in welcher die ursprünglichen Verhältnisse sich schon völlig verändert hatten, wie dies thatsächlich bei Beginn unseres Jahrhunderts der Fall war. In den ersten Decennien desselben aber herrschte das conservative Element vor, und es war damals, eben so wie in einer späteren Zeit, der Gedanke noch nicht zum Durchbruche gekommen, dass man, um die Zweckmässigkeit des umgeänderten Fortbestehens aus der Vorzeit überkommener Schöpfungen zu erproben, die Motive der Vergangenheit mit jenen der Gegenwart wohl vergleichen müsse. ‘) Registratur des Reiclis-Kriegs-Ministeriums 1838; Fase. LXIII, Nr. 13. 2) Registratur des Reiehs-Kriegs-Mmisteriums 1838, Präsidiale Nr. 1642/n. 3) Kriegs-Archiv; Fase. IX, Nr. 125. Vortrag vom 8. October 1802.