Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

44 Das Bildungswesen im österreichischen Heere für das aus den ehemaligen italienischen leichten Bataillonen formirte italienische Infanterie-Regiment Nr. 45 *). In den Lehrplan waren aufgenommen: I. Classe: „Buchstabiren, Lesen, Schreiben und mündlicher Religions-Unterricht; II. Classe: italienische Sprachlehre, Schreib- und Leseübungen, Arithmetik, Schön­schreiben, Religions-Unterricht aus dem Katechismus; III. Classe: italienische Sprache, Biblische Geschichte, Leseübung, Arithmetik, deutsche Sprache, Schönschreiben, sowohl im Italienischen als Deutschen; IV. Classe: Arithmetik, Algebra und Geometrie, Literatur, Universal- Geschichte und Lesen geschichtlicher Werke, Geographie, Natur­geschichte, Schönschreiben im Italienischen und Deutschen, Religions­unterricht und deutsche Sprache; V. Classe : Militär - Administration und Tabeiliren, Taktik, Dienst-Reglement, Planimetrie, Feldbefestigung, Vorlesung aus den militärischen Jahrbüchern, Geschichte hervorragen­der Männer, Religions-Unterricht, deutsche Sprache, Voltigiren, Fechten und das militärische Exercitium a). Zur Zeit als die Umwandlung erfolgte, wurde die Bekleidung aus den „zu Verona als erobertes Gut“ aufbewahrten Sorten genommen, die in Folge ihrer Grundfarbe für die Armee nicht verwendbar waren 3). Nach der den Acten beiliegenden Abbildung trugen die Zöglinge asch­graue „Röckel“ nach dem damals in der Armee üblichen Schnitte, carmoisinrothe Aufschläge, eng anschliessende Beinkleider von der Farbe der Röckel mit rothem Passepoil, Bundschuhe und Csako. Uber die Beköstigung enthalten die Acten blos folgende Stelle: „Die Diät ist von jener der übrigen Regiments-Erziehungshäuser nur wenig unterschieden und kann daher als System beibehalten werden, mit dem Bemerken, dass die in Rücksicht des Klima angewöhnte Lebens­weise und auch Producten in etwas, aber nicht in Wesenheit abge­ändert werden dürfte.“ Die ärztliche Facultät hatte in Folge „des feuchten Klima’s den Genuss täglichen Weines von 42/3 Unzen Mittags und in dem nämlichen Ausmasse“ Abends „denen Knaben“ verordnet*). Die im Laufe der Zeit in der Armee fortgeschrittene wissen­schaftliche Bildung liess es dem Hofkriegsrathe als unbillig erscheinen, ') Die als lombardisch-venetianische erklärten Regimenter Nr. 16 (Lusignan), Nr. 26 (Wilhelm der Niederlande) und Nr. 44 (Bellegarde) besassen bereits ihre eigenen Regiments-Erziehungshäuser. Registratur des Reiehs-Kriegs-Ministeriums 1816, Lit. B; Fase. I, Nr. 14/101. Der Stand wurde normirt mit: „1 Stabsofficier oder Hauptmann als Comman­dant, 1 Studien-Directeur (zugleich Administrator), 5 Officieren, 1 Adjutant, 36 Indi­viduen vom Feldwebel abwärts, 1 Hauscaplan, 1 Hausarzt, 1 Rechnungsführer, 6 bejahrte Weiber zur Besorgung der Reinlichkeit der Knaben der unteren Classen (siehe Neustädter Militär-Akademie) und 250 auf ärarische Kosten zu unterhaltende Knaben“; auch war bewilligt, „Kostgänger aufnehmen zu dürfen“, welche jährlich „200 fl. Conventions-Münze“ Kostgeld zu entrichten hatten. *) Registratur des Reiehs-Kriegs-Ministeriums 1816, Lit. H. G. 3) Registratur des Reiehs-Kriegs-Ministeriums 1816 ; Fase. I, Nr. 14/101. *) Registratur des Reiehs-Kriegs-Ministeriums 1816 ; Lit. F, Fase. I. i

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