Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)
Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv
vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. 35 „Das Josefinische Militär-Waisenhaus (in verschiedenen Acten kurz: „Officiers-Waisenhaus in Pettau“ genannt) ist blos für Militär, und weil die ihrer Eltern beraubten armen Knaben, der Erfahrung gemäss, der Noth und denen Drangsalen preisgegeben sind, mithin billig die meiste Rücksicht verdienen, überhaupt nur für Waisen gewidmet.“ In Pettau zählte das Institut „234 Stiftlinge, von denen der dritte Theil aus Officiers-Söhnen“ bestand. Nach den Intentionen Kaiser J o s e f s II. sollten „immer diejenigen von denen in der Josefischen Fundation befindlichen Officiers- Söhnen, welche die besten Talente haben, in die Theresianische Militär-Akademie zur Erlernung höherer Wissenschaft und zu desto gewisserer Erlangung eines besseren Fortkommens“ überhaupt, und mit den in der Akademie als untauglich befundenen verwechselt werden *). Die Übersiedlung der Anstalt 1777 von Pettau nach Tyrnau „in das für besagtes Waisenhaus gewidmete Ex-Jesuiten - Collegi“ erfolgte behufs Erweiterung. Denn Kaiser Josef wünschte „die Com- pletirung der Zahl deren Stiftsknaben auf 500 Köpfe, soweit es die Fundi zulassen“. In dem allerunterthänigsten Vortrage vom 4. Jänner 1777 wird der Fassungsraum des neuen Institutes dargelegt, und zwar: „im 1. Stock 166 Officiers-Söhne, der Commandant, ein Subaltern-Officier, 2 ledige deutsche Instructores und 7 Stubenväter oder Aufseher, der Ingenieur - Officier, der Oberchirurgus und 2 Unterfeldscherer; im 2. Stock: 118 gemeine Knaben, 5 Stubenväter, 1 Rechnungsführer, 1 Fourier, 1 Officier, 2 deutsche Instructores; im 3. Stock: 216 gemeine Knaben, 10 Stubenväter, 1 Officier, 3 Instructores. Im 1. Stock: 2 deutsche Schulen für gemeine Knaben; im 2. Stock: 2 deutsche Schulen für die gemeinen Knaben und ein Saal für die Ingenieur-Schule“. Die Officiers-Söhne waren von den Knaben der Unterofficiere und Soldaten völlig abgesondert, erhielten bessere Kost als diese und konnten nach Wunsch dem Unterrichte im Gymnasium („dem studio humaniori“) und in der Ingenieur-Schule beiwohnen. In dem Nebengebäude befand sich ein Quartier für den Capellmeister, welcher die Knaben „in der Feldmusik“ zu unterrichten hatte *). Bezüglich der Schulen, der Adjustirung und Hausordnung geben die Acten keinen Aufschluss. Die Beköstigung der Stiftlinge bestand „in Brod, Zuspeis und Fleisch“; für die Kostbereitung waren 2 Köchinnen angestellt, deren Männer als Stubenväter in Verwendung standen. Diese Weiber bekamen „für die Kost eines Knaben täglich 4 kr., dann für einen Officiers-Sohn 5 kr.“ Die Officiers-Söhne erhielten „noch die 4. Speis, das ist ein ') Registratur des Reichs-Kriegs-Ministerinms. Präsidial-Erlass von 24. November 1777, Nr. 4863 g. 2) Registratur des Reichs-Kriegs-Ministeriums ; Fase. LIII, Nr. 7. 3*