Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)
Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv
vom dreissigjäbrigen Kriege bis zur Gegenwart. 29 der Kriegskunst umgebildet und ihre Stellung als dienendes Glied des Ganzen begreifen gelernt. Die den Jahren 1848—49 folgenden Decennien waren eben für die österreichische Armee die Zeit der Anbahnung des Fortschrittes und der Vervollkommnung. Die Reorganisation des gesammten Unterrichts Wesens brachte veränderte Grundsätze für methodische Vorträge mit sich, zu deren Anwendung die in dem vorhergegangenen Zeitabschnitte zu Gebote gestandenen Lehrmittel und Behelfe bei Weitem nicht ausreichten. Einerseits hatten die einzelnen Materien an und für sich eine Erweiterung erfahren, anderseits waren viele neue Disciplinen in den Bereich des militärischen Unterrichtes gezogen worden. Es dauerte geraume Zeit, ehe der Buchhandel in genügendem Masse sich an den Publicationen militärischer Werke betheiligte. Die Zahl der österreichischen Autoren blieb auch anfänglich in bescheidenen Grenzen, denn noch immer war der Nimbus, welcher den Kreis der Auserwählten umgab, nicht geschwächt. Als aber in Folge zwingender Nothwendig- keit auch Mancher zur Feder greifen musste, welcher keinen besonderen Beruf dazu gefühlt hatte, und sein Streben von Erfolg gekrönt sah, war mit einem Male die früher unübersteigbar gehaltene Schranke durchbrochen. Die specifisch österreichische Militär-Literatur kam in’s Aufblühen, und die Gründung mehrerer Fachzeitschriften vermittelte einen regeren geistigen Verkehr zwischen den Gliedern der Armee. Die Detaillirung des Entwicklungsganges der österreichischen Militär-Literatur und der übrigen militärischen Disciplinen in diesem Zeitabschnitte wäre wohl überflüssig, da solcher als selbst dem jüngeren Theile der jetzigen Generation bekannt vorausgesetzt werden kann. Unstreitig fällt der entscheidende und zugleich schwierigste Entwicklungsprocess des Bildungswesens im österreichischen Heere in jenes Decennium, welches den Jahren 1848—49 unmittelbar nachfolgte. Es war dies ein völliges Brechen mit alten, durch die veränderten staatlichen Verhältnisse unhaltbar gewordenen Traditionen. Erst in diesem Zeitabschnitte gelangte der schon 1801 von Erzherzog Carl ausgesprochene Hauptgrundsatz für eine zweckmässige Heeresleitung zu seinem vollen Rechte. Der kaiserliche Prinz hatte nämlich darauf hingewiesen, wie jene Ressorts, welche die Organisation, Ausbildung, Leitung und Führung des Heeres umfassen, in den Händen bewährter Generale ruhen und mit dem administrativen, sachkundigen Beamten anzuvertrauenden Theile derselben in Übereinstimmung gebracht werden müssen, damit „die Einsichten, Kenntnisse und Talente ihre Kraft vereinigen“, um zu Einem und demselben Ziele zu führen. Es bedui’fte nun auch der Trennung der beiden Hauptelemente der Heeresleitung, damit jedes derselben in die ihm zukommenden