Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (1878)

Das Bildungswesen im österreichischen Heere vom dreissigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. (Beitrag zu Culturgeschichte Österreichs.) Nach Originalquellen von Josef Ritter Rechberger von Rechkron, Major im k. k. Kriegs-Archiv

vom dreisaigjährigen Kriege bis zur Gegenwart. 19 im öffentlichen Unterrichte selbst bis zur Mitte unseres Jahrhunderts äusserst stiefmütterlich behandelt. Ein glücklicheres Loos traf die Schwesterwissenschaft: die Geschichte. Erleuchtete Männer förderten in dem ersten Zeitabschnitte das Studium der kritischen Philosophie. Ihr Geist zog gegen das zahllose Heer von Romanen und gegen die romanisirte Geschichte, welche lange das historische Gebiet beherrscht und eben nicht zur Kräftigung des sittlichen Elementes beigetragen hatte, in’s Feld. Durch sie wurde die Geschichte ein mächtiger Hebel, schon in der Jugend die Vaterlands­liebe zu entzünden, die Fähigkeiten und edleren Triebe beim Jüng­linge und beim Manne zu erweitern und zu kräftigen und bis in die spätesten Lebensjahre frisch zu erhalten. Doch auch auf diesem Gebiete ging der Klärungsprocess nur allmälig und nicht ohne Kampf gegen die Kritik vor sich. Den ersten Anstoss zur Verfassung einer österreichischen, auf authentische Quellen basirten Kriegsgeschichte gab Kaiser Josef II., welcher 1779 an den Hofkriegsraths - Präsidenten Grafen Hadik schrieb: „eine ordentliche chronologische Sammlung zusammenzu­stellen und eine Art von detaillirter Historie aus selben von diesen unterschiedlichen Kriegen, so Bayern, Niederlanden, Italien, Böhmen, Mähren, Schlesien und Sachsen betroffen haben, verfasst werde, aus welcher die lehrbegierigen, mit Talenten und Witz begabten Generale und Officiere für die Zukunft Kenntnisse einziehen, und diese auf beständige Zeiten den grössten Theil der Monarchie durchwanderten Kriege sowohl mir, als allen andern Nachfolgern zur nützlichsten Kennt- niss und Aufklärung, dann bei entstehenden neuerlichen Fällen zur gedeihlichsten Richtschnur dienen könnten ’)“. Ein geistiger Verkehr zwischen den verschiedenen Heeren Europa’s war gegen Ende des Zeitabschnittes durch periodisch erschienene Zeitschriften, wie z. B. „Bellona 1781—1785, angebahnt, und ähn­liche Publicationen auf anderen Gebieten des fachlichen Wissens be­gannen die mehr allgemeine Verbreitung von Kenntnissen, wie z. B. von 1787 an: „Abhandlungen der Josefs-Akademie“. Abgesehen von der beginnenden allgemeinen Volksbildung im ersten Zeitabschnitte, musste das Militär-Bildungswesen zahlreiche Wurzeln treiben, da Feldmarschall Lacy die wesentlichen Zweige der Militär- Administration für den Krieg und Frieden in ein zusammenhängendes System gebracht und überhaupt einen ganz vortrefflichen, für die da­maligen Zeiten und Verhältnisse in jeder Hinsicht vollkommenen Heeres- Organismus geschaffen hatte. Dieser führte von selbst zur Erkenntniss, *) *) Kriegs-Archiv, Memoires. 2*

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