Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien

74 Die Neben-Operationen im Feldzuge 1859 in Italien. Der Krieg im Gebirge. — Sowie die Rüstungen in Sardinien und Frankreich zu Beginn des Jahres 1859 den Ausbruch des Krieges als nächst bevorstehend erkennen Hessen, so deutete die Werbung der Cacciatori déllé Alpi, welche Garibaldi als selbständiges Corps organisirte, darauf hin, dass diese Truppe für den Gebirgskrieg, für die Insurgirung der lombardischen Gebirgslande und in weiterer Folge zu Unternehmungen gegen Süd-Tirol bestimmt, sonach eine nach­drückliche Gefährdung der rechten Flanke des in Ober-Italien operiren- den k. k. Heeres im Kriegsplane des Feindes gelegen sei. Wohl war eine ernste Gefahr für Süd-Tirol damals noch nicht abzusehen, anderseits aber der viel verbreitete Glaube unrichtig, dass dieses Land, als deutscher Bundesboden, nur auf die Gefahr einer Verwicklung mit Deutschland hin angegriffen werden könnte. Bei der hohen Bedeutung Süd-Tirols für den bevorstehenden Krieg, war die Sorge für dessen Vertheidigung ein Gegenstand von grösster Wichtigkeit. Mit Rücksicht auf den beanspruchten Zeitaufwand bildeten die fortificatorischen Massnahmen das nächste Object der militärischen Vor­kehrungen in Tirol. Nach Anhandgabe der recenten Erhebungen wurde sofort an die Lösung dieser Aufgabe geschritten, und die Sperrung der westlichen Zugänge des Landes, der Judicarien, des Tonal-Über- ganges und des Stilfser Joches, durch Wiederherstellung der Rocca d’Anfo, Aufführung eines gemauerten Blockhauses am Monte Zuello, zweier Batterien und zweier Blockhäuser bei Ossana, Herstellung des Castelles in diesem Orte und Anlage einer Strassensperre beim Bade Bormio in Angriff genommen. Um die Franzensfeste gegen Umgehung zu sichern, erhielt diese ein grösseres detachirtes Werk auf dem Spinser Abhange und ein kleineres auf dem sogenannten Ochsenhügel. Auch wurden die Castelle von Roveredo und Trient in verthei- digungsfähigen Zustand versetzt. Die im Lande dislocirten Truppen, denen überdies die Besetzung der Chiusa Veneta jenseits der Grenze sammt Dependenzen zuge­wiesen war, reichten bei weitem für ihre Aufgabe nicht hin. Das II. Armee-Commando konnte keine Verstärkungen nach Tirol senden, es erwirkte aber, dass die auf Kriegsstand versetzten vierten Bataillone der Infanterie-Regimenter Nr. 18, 25 und 40, dann eine Raketen- und eine Gebirgs-Haubitz-Batterie aus dem Inneren der Monarchie dahin disponirt wurden. Anfangs Mai erhielt GM. Graf Huyn das Commando über die Streitkräfte in Süd-Tirol mit selbständigem Verfügungsrechte in operativen Dingen. Seinem Anträge gemäss erfolgte die Verlegung einer ganzen Artillerie- und einer halben Pionnier-Compagnie mit einer halben Brücken-Equipage nach Süd-Tirol, sowie die Sicher-

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