Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)

Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino

Betrachtungen über die Schlacht hei Solferino. 71 tröstlichen Gedanken; wie das kaiserliche Wort huldreichst anerkannte. Das höchste Palladium des Soldaten — die Waffenehre — blieb unan­getastet, denn wenn auch ungünstig in ihrem Ausgange, so hat die denkwürdige Schlacht von Solferino der k. k. Armee doch die Ge­legenheit geboten, den altbewährten Ruhm von Ausdauer, Todesver­achtung und Heldenmuth auf das Glänzendste zu bewähren und zu beweisen, dass diese dem österreichischen Soldaten angebornen hervor­ragenden Tugenden ihn auch unter den misslichsten Verhältnissen niemals verlassen. ' Wehmuthsvbll bewegten Herzens haben wir in vorliegender Abhandlung das blutige Drama — die Schlacht von Solferino — in den Hauptmomenten an unserem geistigen Auge vorbeiziehen lassen und in eine noch tiefschmerzonde Wunde die Sonde der Kritik ein­gelegt. Dies geschah aber nur in der Absicht und von der Ansicht geleitet, dass nicht nur die erste Vorbedingung zur Besserung die Erkenntniss der Fehler sei, sondern dass man sich deren auch so oft und so lange erinnern müsse, bis die Beweise einer entschiedenen Umkehr vorliegen. Vergleichen wir aber den Verlauf der Schlacht von Solferino mit den wichtigsten Kämpfen der k. k. Nord-Armee 18(56, so sehen wir in letzteren die Infanterie beim Auftreten in den nämlichen Haupt­fehler verfallen, somit auch die gleichen Ursachen der Misserfolge hervortreten: Die Zersplitterung der Kräfte und das vereinzelte in den Kampfsetzen der Truppen. Von geradezu schmerzlich überraschender Ähnlichkeit sind die Infanteriekämpfe um den Besitz von Modole und Ca Nuova mit jenen am Wenzelsberge, dann im Swiep-Walde. Hier, wie dort, sehen wir ein Bataillon nach dem andern, eine Brigade nach der andern gegen den Feind geführt und so in tapfern Einzelvorstössen gegen Kräfte sich verblutend, die sie durch einen Gesammtangriff niedergoworfen, ja überrannt haben würden. Wir hegen aber die Überzeugung, dass eben durch diese wieder­holte traurige Erfahrung sich richtige Anschauungen Bahn gebrochen haben, und dass dieser Fehler mit seiner Wurzel ausgerottet sei aus Österreichs Heer. Die jüngst stattgehabten grossen Manöver zeigten, wie in compacten Massen gekämpft werden muss. Fehlt es an der Form nicht, so bietet der unserer Infanterie innewohnende und in allen Kämpfen bisher bewiesene grosse Kampfeswerth die Gewähr, dass e s dann auch an günstigen Erfolgen nicht fohlen dürfte. Die Cavallerie war — man verzeihe diese harten, aber gerechten Worte — mit Ausnahme etwa zweier Momente: der Thaten des Obersten Baron Edelsheim und der Streifungen dos Majors v. Appel — ihren glorreichen Traditionen untreu geworden.

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