Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 2. (1877)
Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino
Betrachtungen über die Schlacht bei Solferino. 67 Die Cavallerie hätte viel leisten können, wenn sie, dem kühnen Ritt des König von Preussen Huszaren-Regiinents Nr. 10 folgend, wie dieses den Feind wiederholt attakirt haben würde. Statt dessen beschränkte sich ihre Thätigkeit auf einige kurze Vorstösse, die unwirksam verliefen, weil die Artillerie einen Theil ihrer Kampffähigkeit eingebüsst hatte. Durch die anfängliche Passivität des 3. Armee-Corps und einer Reserve-Cavallerie-Division, während die andere vom Schlachtfelde sich entfernte, durch den Befehl an die Division Jellacic, bei Marcaria stehen zu bleiben etc., gestalteten sich die vom 9. Armee-Corps bei Cä Nuova, Rebecco und Baite geführten Kämpfe immer blutiger, und der Sieg am linken Flügel der Schlachtlinie — I. Armee — fiel schliesslich jener Partei zu, die sich in dem Besitze genannter fester und widerstandsfähiger Gehöfte behauptete. Aber auch das gegen die Mittagsstunde in den Gefechtsbereich gelangende 11. Armee-Corps traf mit verminderten Kräften auf dem entscheidenden Punkte an, indem zwei Brigaden in der Gegend von Birbesi und Rebecco zurückblieben. Da dieser Heerestheil wegen Zersplitterung seiner Kräfte zur Führung eines kräftigen Schlages in der Richtung der Hauptstrasse Guidizzole-Castiglione wenig geeignet erschien, so ward er unterstützend in die andern Armee-Corps eingeschoben. — In Erwägung nun, dass auch die Truppen des 11. Armee-Corps die Gefechtsverhältnisse bei Cä Nuova günstiger zu gestalten nicht vermochten, auf der Heide von Medole aber keine hinreichende Geschützkraft concentrirt wurde um das überlegene feindliche Artilleriefeuer zu paralysiren, so blieb die Masse der I. Armee um Guidizzolo festgebannt, und das Armee-Commando fand sich bestimmt, schon um 2 Uhr Nachmittags zu melden, dass es nicht mehr Stand halten könnte und genöthigt sei, hinter den Mincio abzuziehen. Von der II. Armee nahm das 5. Armee-Corps, dessen Vorhut, um 5 Uhr Früh angegriffen, die Punkte Le Grole und Cä Demolite nach längerem Widerstand geräumt hatte, den Kampf in den Positionen von Monte Fatorelle, Monte Costa Mezzana und vor Contrada Pozzo Catena um 8 Uhr in glänzender Weise auf und forderte zugleich, die Wichtigkeit der Position und die Überzahl des Gegners erkennend, die Unterstützung durch das I. Armee-Corps auf zwei durch einen Höhenzug getrennten Punkten. Letzterer Heerestheil, welcher zufolge der Dispositionen von 9 Uhr Vormittags zur Unterstützung des 5. Armee-Corps angewiesen wurde, kam dieser Aufforderung nach. Drei seiner auf Einer und derselben Strasse vorrückende Brigaden langten einzeln und in bedeutenden Zeitabständen am linken — eine Brigade am rechten — Flügel des 5. Armee-Corps an. Da sie jedoch durch beträchtliche Detachirungen 5: