Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Heinrich Du Val Graf von Dampierre, Freiherr von Mondrovillia, kaiserlicher General-Feldwachtmeister, Kämmerer, Kriegsrath, Ritter des Ordens de Santa Militia und Oberst-Inhaber eines Cürassier-Regiments. Ein Beitrag zur Geschichte der I. Periode des dreissigjährigen Krieges

Heinrich Du Val Graf von Dampierre. 75 Minder erfolgreich kämpften dagegen Dampierre und sein Befehls­haber, General Belgiojoso, im folgenden Jahre wider den neuen, mit Übermacht heranrückenden Prätendenten Stefan Bocskay, vor dem sie sich aus Siebenbürgen zurückziehen mussten. In diesem Jahre befand sich Dampierre auch in der Festung Gran, welche durch den Grossvezier Mehmed vom 27. August an belagert wurde, und übernahm, nachdem der bisherige Commandant Graf Ulrich von Ottingen noch in dem­selben Monate gefallen war, das Commando über die 27 Fähnlein starke Besatzung. Man hat bisher stets angegeben, dass Dampierre Gran wohl tapfer vertheidigt, die eigene treulose, verrätherische Be­satzung sich aber endlich aufgelehnt, ihn an Händen und Füssen geknebelt und sammt der Festung den Türken am 3. October 1605 überliefert habe. Was den ersten Punkt anbelangt, so kann an der Richtigkeit desselben nicht gezweifelt werden, denn Alle, Officiere und Soldaten, welche Anfangs 1606 im Feldlager zu Comorn und hierauf zu Pressburg vor einem Kriegsgerichte ein Verhör wegen der Über­gabe Grans zu bestehen hatten, sagten aus, „dass Dampierre sich zu „jeder Zeit, bei Tag und Nacht, mannhaft und ritterlich gehalten und „gethan habe, was menschenmöglich gewesen, selbst geschanzt und „gearbeitet, wie der geringste Schütze, auch alles dasjenige, was einem „ehrlichen Obersten, unverzagten Cavalier gebührt und wohlansteht, „emsig, fleissig, treu und unverdrossen prästirt und geleistet. Er sei „wie ein Vater zu den Seinigen gewesen, und oft mussten sie ihn „bitten, dass er sich nicht so blosstelle, denn würde er erschossen, so „hätten sie keinen Hauptmann mehr.“ — Zweifellos ist ferner das Einverständniss eines grossen Theiles der Besatzung, — ein Märchen jedoch die an Dampierre’s Person vorgenommene Fesselung und Aus­lieferung an die Türken, wenngleich es wahr ist, dass man ihm und auch den übrigen Hauptieuten drohte, sie „über’s Haus zu werfen“ oder auszuliefern. Alle Versuche Dampierre’s und alles Bitten, das er „um Gottes Barmherzigkeit und des jüngsten Gerichtes willen“ that, auch seine Knechte versicherte, „bei ihnen leben und sterben zu wollen wie ein ehrlicher Oberst“, waren aber vergeblich. Dampierre sah sich endlich gezwungen, die Festung dem Feinde zu überliefern, der dem treu bleibenden Theile freien Abzug bewilligte; der meuterische ver­blieb in Gran. Dampierre selbst wurde bald darauf in Haft genommen und nach Wien in die Burg in Verwahrung gebracht. Da sich jedoch durch die obenerwähnten Aussagen, sowie Dampierre’s eigene Recht­fertigung durchaus nichts gegen sein Verhalten Vorbringen Hess, bat schon unterm 11. März 1606 der Erzherzog Mathias den Kaiser, dass er Dampierre, „der krank in seinem Losament verwacht werde“, und auf die vom Herzoge von Lothringen vorgebrachte Fürbitte hin frei­geben und wieder in Gnaden aufnehmen möge. Diesem Wunsche des Erzherzogs kam Kaiser Rudolf auch baldigst nach. In einem Schreiben

Next

/
Oldalképek
Tartalom