Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Die Schlacht von Königgrätz

36 Die Schlacht von Königgrätz. nahmen, während der Verlust desselben blos auf 962 Gefangene sich belief. Sollte daher das ganze Regiment während des frühem hartnäckigen Gefechtes im Walde selbst nicht mehr als 78 Mann an Gefangenen eingebüsst haben? Wir wollen übrigens den tapferen preussischen Schwadrons- Commandanten keiner Unwahrheit zeihen; höchst wahrscheinlich ist es vielmehr, dass hiebei die lebhafteste Phantasie im Spiele war, welche die Eindrücke der einzelnen Momente der Attaké und der Ge- fangennehmung einer schwachen Abtheilung österreichischer Soldaten und der spätere Anblick einer grossen Zahl der zu verschiedener Zeit und an verschiedenen Punkten gemachten und nunmehr versammelten Gefangenen in ein Bild, respective in eine That vereinigte. Das Urtheil, welches „Jähns“ über die Brigade Henriquez des 2. Armee-Corps fällt, erscheint ungerechtfertigt und bedarf einer Be­richtigung. Das Buch nämlich enthält pag. 286 bis 287 folgende Stelle: „In Trotina wurde eine grosse Zahl Gefangene gemacht, und es ist auffallend, wie schnell der Gegner diese wichtige Stellung ohne unmittelbare Nöthigung aufgegeben hat. Die Brigade Henriquez zog sich nunmehr in Staffeln vom linken Flügel aus nach Lochenitz zurück und besetzte diesen Ort mit dem Regimente König der Belgier Infanterie Nr. 27, während der Rest der Brigade unverweilt auf das linke Ufer der Elbe übertrat. (2i/i Uhr Nachmittags.) Dieser frühe Rückzug ist von österreichischer Seite verschieden beurtheilt worden. Einerseits wird anerkannt: „dass der Rückmarsch über die Elbe in der richtigen Voraussicht angetreten wurde, dass man nur so der Vernichtung entgehen könne“. „Anderseits findet der Abzug den entschiedensten Tadel. Die Bri­gade Henriquez retirirt über die Elbe und rettet sich damit. Dies mag für die Brigade sehr angenehm gewesen sein, daran zweifeln wir nicht; aber für das Heer war es gewiss kein Vortheil. Die Brigade musste Alles daran setzen, die Fortschritte des Feindes zu hemmen; die eigene Rettung darf für Truppentheile nie in Betracht kommen, sondern nur der Vortheil des Ganzen. Wenn je die Lage es erheischt hat, eine Truppe vollständig zu opfern, so war dies hier der Fall.“ „Man kann kaum umhin, dem letzteren Urtheil bei­zustimmen, umsomehr, als von Bedrohung mit Vernichtung und Untergang, wie sie angedeutet wird, in der That zunächst gar keine Rede war. Unmittelbar stand der schwarzgelben Brigade nur die eine, und zwar die Stärke einer Brigade nicht übersteigende Division Prond- zynski gegenüber, während sich in directer Verbindung mit Henriquez des Fürsten Taxis leichte Cavallerie-Division befand und ein nicht

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