Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)

Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Moriz Edlen von Angeli: Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart

112 Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart. begabung, für die es nie eine Regel gab und geben kann. Wo jedoch ein Kriegsrath Zusammentritt, darf er nie jenen ausschliesslich consul - tativen Charakter verlieren, in dem allein seine Berechtigung sowohl, als auch der von ihm vorausgesetzte Nutzen begründet ist. Es kann sich keinesfalls darum handeln, durch Stimmenmehrheit einen oder den andern Beschluss durchzubringen, sondern durch das Entgegentreten verschiedener Anschauungen und Meinungen klärende Debatten her­vorzurufen , auf welche gestützt, der Feldherr nach freiem, eigenem Ermessen seine Entschlüsse fasst. Hierin eben liegt die charakteristische Unterscheidung zwischen dem Kriegsrathe von Einst und Jetzt, dass jener imperative Beschlüsse fasste, denen sich auch der Feldherr fügen musste, während die Gegenwart in dem Kriegsrathe nur ein Mittel sieht, dem Ober- Commandanten ein geistiges Material zur Disposition zu stellen, dessen er sich nach eigenem Ermessen bedienen kann, und ihn zugleich auf dem natürlichsten Wege mit jenen seiner Unterhefehlshaber bekannt zu machen, deren allgemeine Eigenschaften er bis dahin noch nicht zu beurtheilen in der Lage war. Bei so geregeltem geistigen Verkehre, wo der Kriegsrath nicht im Sinne eines letzten Mittels, sondern im Bewusstsein der Nothwendig- keit gegenseitigen Verstehens und einmüthigen Zusammenwirkens functionirt, wird er auch alle jene Schärfen verlieren, welche ihn einst als Rettungsanker in verzweifelten Fällen, als gegenseitiges Uberwälzen der Verantwortung erscheinen Hessen. In diesem Sinne aufgefasst, wird die Zweckmässigkeit ununter­brochenen geistigen Contactes sich nicht allein auf die oberste Leitung beschränken, sondern sich überall, also auch dort fühlbar machen, wo es sich um die Durchführung untergeordneter kriegerischer Actionen handelt. Wo Zeit und Umstände es gestatten, sollte kein Com­mandant sich den Vortheil entgehen lassen, der nur dem Gedankenaus­tausch mit seinen Unterführern entspringt. Derlei Besprechungen bieten auch die Gelegenheit, Zweifel zu beheben, von Andern gemachte Wahr­nehmungen zu benützen und die so unbedingt nothwendige Einheit des Wirkens zu sichern. Je lebhafter die Intentionen des Feldherrn die Armee als geistiges Fluidum durchdringen, je mehr selbst in den untersten Schichten das Bewusstsein geweckt und gepflegt wird, dass auch der Einzelne nicht allein seine physischen, sondern auch seine geistigen Kräfte dem all­gemeinen Wohle dienstbar machen müsse, und selbst der Geringste sich nicht damit bescheiden dürfe, blos nur eine Maschine in der Hand seines Führers zu sein, — eine desto grössere Bürgschaft des Erfolges werden alle Unternehmungen in sich schliessen.

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