Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (1876)
Österreichs Kriege seit 1495. Chronologische Zusammenstellung des Schlachten, Gefechte, Belagerungen etc., an welchen kaiserliche Truppen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen entweder allein, oder mit ihren Alliirten theilgenommen haben - Moriz Edlen von Angeli: Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart
106 Der Kriegsrath und seine Bedeutung in der Gegenwart. mit dem ganzen System verbunden waren, konnten denn auch weiterblickenden Geistern nicht verborgen bleiben, und es tritt dies deutlich in den abfälligen, oft scharfen Urtheilen hervor, in denen sich die bedeutendsten Feldherrn-Genies vereinigen. Friedrich der Grosse widmet der Frage: „Ob es nöthig und rathsam sei, dass ein commandirender General Kriegsrath halte?“ ein eigenes Capitel in dem „Unterrichte an seine Generale“ und kommt mit Berufung auf den bereits citirten Ausspruch Prinz E u g e n’s zu dem Resumé dieses ist um so mehr wahr, als die Erfahrung zeigt, dass der mehreste Theil der Stimmen bei einem Kriegsrathe allezeit für die Negation ausfallen. Ein General, welchem der Souverän seine Truppen anvertraut, muss durch sich selbst agiren, und das Vertrauen, welches der Souverän in die Meriten dieses Generales setzt, autorisirt ihn, dass er die Sachen für sich und nach seiner Einsicht mache. Zudem wird auch das Secret, so im Kriege nothwendig ist, niemalen bei einem conseil de guerre observirt. — Inzwischen halte ich einen General, welchem ein Subalternofficier einen guten Rath geboten, für ein rechtschaffenes Mitglied des Staates, wenn er sich selbst vergisst und auf das wahre Wohl der Sache sieht, ohne sich embarassiren zu lassen, ob dasjenige, so ihn dahin leitet, von ihm selbst oder von einem Andern komme.“ Schlagend illustrirt Erzherzog Carl in seinem Werke: „Grundsätze der Strategie, erläutert durch den Feldzug 1796 in Deutschland“ die nachtheiligen Folgen unmotivirter Anwendung des Kriegsrathes und das gänzliche Verkennen dieser Institution zu jener Zeit. FZM. Wartensleben erhielt von Erzherzog Carl den Auftrag, sich so lange als möglich bei Würzburg zu halten. Als nun Jourdan mit Preisgebung seiner Flanke und Verbindung gegen die österreichische Stellung vordrang, fasste Wartensleben den ganz richtigen Entschluss, den auf allen Angriffspunkten schwächeren Gegner anzugreifen, und waren hiezu auch bereits alle Dispositionen getroffen. Im letzten Momente wurde jedoch Wartensleben in Folge der Aussagen eines feindlichen Deserteurs besorgt um seine rechte Flanke und berief den Kriegsrath, — „folglich kam es nicht allein vom Angriffe ab, sondern es wurde die Retraite beschlossen“. Erzherzog Carl sagt bei diesem Anlasse: „Wenig Menschen haben Seelenkraft und feste Überzeugung genug, um in jeder Gelegenheit eine bestimmte Meinung zu hegen und sie trotz jeder Rücksicht eben so bestimmt zu äussern. Nichts beleidigt mehr die Eigenliebe, als der Vorwurf einer falschen Ansicht, und dieser trifft Jeden, dessen Plan misslingt, weil der grosse Haufen den Werth eines Entschlusses nach dem Erfolge würdigt, der sich im Kriege nie mit Sicherheit berechnen lässt. Jeder, der zu einem Kriegsrathe berufen wird, tritt mit der Überzeugung in die Versammlung, dass sein Feldherr sich in einer