Militär-Oekonomie-System der kaiserlichen königlichen österreichischen Armee 6. (Wien, 1821)

XIX. Hauptstück. VII. Abschnitt. Uebrigens macht die krumme oder gerade Richtllng der Stange in der Anwendung der vorbesagten Lehre keinen wesentlichen Unterschied; denn ob es gleich den Anschein hat, daß z. B. der krumme Brunnen - oder Radschwängel geneigter und geschickter sey, als der gerade, die Brunnenwalze oder das Rad zu drehen, so hat derselbe doch nicht mehr Gewalt, als der gerade Schwänget. Ern großer und wichtiger Unterschied beruhet jedoch in der Richtung der Bäume mit ihren untersten Theilen, b. t.: mit der Stelle des Ueberwurfes, wo die Zügelringe ange­bracht sind, vor, auf oder hinter der Linie des unbeweglichen Punctes. Diese Linie muß man sich durch die Mitte des Auges, durch welches die Backenriemen gezogen sind, und durch die Mitte des Zapfens in gerade Fortsetzung herab denken. Stangen, welche mit dem Klobenloche in gerader Linie aus die M.tte des Auges, das ist: auf der Linie gerichtet sind, wirken im Verhältnisse ihrer Richtung gelinde, und gehören für ein wohlgebauetes Pferd. Stangen vor der Linie gerichtet, treiben über sich, und erheben die Stellung des Pfer- dekopfes. Diesen Grundsätzen nach kann also nicht allein der Pserdekopf mit dem Halse durch eine richtige Auswahl der Stangen, soviel möglich, in die gehörige Stellung, sondern auch überhaupt das Pferd besser in das Gleichgewicht gearbeitet werden; nur ist hierbei) zu beob­achten, daß jede verschärfte Wirkung mit der Beschaffenheit der übrigen Pferdetheile im über­einstimmenden Verhältnisse zu stehen komme, das ist: wenn ein Umstand beym Pferde ob­waltet, dessen Ursachen eine besondere Beobachtung bey der Richtung der Stangen erhei­schen, so muß ein gründliches Urtheil diejenigen Maßregeln bestimmen, wodurch die Theile der Stangen in so weit geschärft oder gelindert werden, daß der schwächere Theil nicht zu scharf, und der stärkere nur nach Ersorderniß bezwungen werde, z. B. ein Pferd, welches kein hinlängliches Vermögen im Kreuze hat, übrigens aber zur Herbeybringung des Kopfes einer vor die Lmie gerichteten Stange benothiget, wird es nothwendig machen, daß die be­weglichen Stangentheile in ihrer Entfernung vom unbeweglichen Puncte kürzer ausfallen, und die übermäßige Schärfe der Stangen verhindern. Nach dem, was nun voraus gegangen ist, wird jedermann einsehen, daß ein übel ge­stalteter schwerer Kopf, dessen Ganaschen breit sind, eben so ein kurzer Hals , der sich nicht beugen und herbey bringen laßt, ein Hirschhals u. dgl., einer vor die Sir c, so wie ein Pferd, daS vorn niedriger als hinten gestellt ist, einer hinter die Linie gerichteten Stange be- nbthigen werde. Nun kommt es also noch auf die verschiedenen Mund^ürke an, die nach Beschaffen­heit des Maules und der darauf Bezug nehmenden übrigen Theile beurtheilet und einge­richtet werden müssen. Di e Verschiedenheit dieser Theile erzeuget folgende Grundsätze: rtens: Daß das Mundstück auf die empfindlicheren Theile so sanft als möglich, auf die weniger empfindlichen aber scharfer, mithin auf jedes Pferdemaul hinlänglich und zweckmäßig wirke. sten s: Daß das Mundstück nach der Breite des Maules gerichtet, und zwischen dem Mauleundber Srange noch ungefähr eine und eine halbe Linie Platz gelassen werd e. Sind die Laden erhoben, scharf und mager, und ist bte Zunge dünn, daß sie in ih­rem Canale wohl einliegt, so muß ein gerades Mundstück gewählt werden, welche« zu glei­cher Zeit auf die Zunge und auf die Laden so wirken muß, damit die Zunge etwas mehr trage, als die Laden, mithin die Wirkung auf diese lindere. Daher soll auch das Eisen an beyden Enden gegen den Zapfen dicker und vollkomme­ner-seyn. Sind die Laden empfindlich, ist aber feie Zunge dick, so muß die Mitre des Mund­stückes ausgeschweift seyn, der Zunge so viel Freyheit lassen, daß diese nicht allein, sondern auch die Laden trage.

Next

/
Oldalképek
Tartalom